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Ein Kunstblog für München







© Yingji Yang, 2015, "Black Persimmon"

Mehrmals habe ich anlässlich der Biennale in Venedig in den letzten Wochen gelesen, wie "politisch motivierte" und "pseudointellektuelle" Kunst zu bloßer Effekthascherei verkommen mag und so manches Werk dadurch seine Glaubwürdigkeit verlieren kann. Und wähnt man sich in Venedig tatsächlich das ein oder andere Mal inmitten  einer Dramaturgie voller Motive von Krieg und Gewalt, findet hier in München in der Akademiegalerie im Untergeschoss der U-Bahnhaltestelle Universität gerade das Gegenteil statt. Ich habe hier eine wunderbare junge Künstlerin kennengelernt, deren Fotografien in einer subtilen und atemberaubenden Weise die dunklen Seiten der Weltpolitik wiederspiegelt, ohne dabei auf Dramaturgie zurückzugreifen: Krieg, Freiheitsberaubung, Tod und das Leid der Menschheit sind Themen mit denen sich Yingji Yang befasst. 

 

© Yingji Yang, 2015, "Black Persimmon"

Installationsartig stehen ihre schwarz-weissen, an rostigen Metallfensterrahmen befestigten Fotografien auf einem circa 1 Meter breiten Bett aus Tonerde. Die dunkel bemalte Wand der Galerie, an der die Arbeiten lehnen,  bietet Halt und Kontrast. Gleichzeitig liegt die Assoziation  mit dem 'memento mori' Gedanken nicht weit entfernt: der Rost,  die Erde und der dunkle Hintergrund verweisen auf die Vergänglichkeit und den Tod. Ihre Bilder zeigen Körperteile, mal mit weissen Leinentüchern, andere Male mit Ton bedeckt, oder auch zu einem Stilleben zusammengefügt in einer Vase. Oft sind es nur kleine Details, die auf ein geschehenes Unheil hinweisen. Ein starrer Blick, eine Wunde oder ein Insekt reichen der Künstlerin aus, um ein leidvolles Schicksal darzustellen.

 

© Yingji Yang, 2015, "Black Persimmon"

Trotz der morbiden Thematik wirken Yingji Yangs Bilder erstaunlich friedvoll. Sie hinterlassen in mir ein gutes Gefühl, denn ihre Fotografien besitzen ungeachtet mancher bildwirksam erschreckenden Darstellung, eine sinnliche Qualität. Dieser Kontrast erlaubt dem Betrachter eine gewisse Distanz zu dem eigentlichen Sujet und lässt ihm somit Raum die gesellschaftlichen und politischen Dimensionen der menschlichen Qualen von Folter, Freiheitsberaubung und Tod zu hinterfragen.

 

© Yingji Yang, 2015, "Black Persimmon"

Auch die Arbeitsweise der Künstlerin ist erwähnenswert. Die Ideen zu ihren Arbeiten entstehen aus Erinnerungen und Emotionen, die Yingji Yang zunächst als wirre Zeichnungen zu Papier bringt. Diesen Vorgang beschreibt sie als einen befreienden und leichten Akt, der quasi aus ihr heraus sprudelt. Der schöpferische Teil besteht dann im Aufbau des unmittelbaren Motivs. So entsteht entweder eine Installation, eine Skulptur oder ein performativer Akt, in dem alle Emotionen und Erinnerungen gebündelt werden. Im Gespräch mit der Künstlerin spürt man deutlich die ungeheure, fast manische Tiefe aus der sie dabei schöpft. Durch das abfotografieren und den Druck  erhält die Arbeit Distanz und die gewisse Simplizität, die alle ihre Fotografien charakterisiert. 

 

© Yingji Yang, 2015, "Black Persimmon"

Yingji Yang ist 1990 in Shanghai geboren, studierte dort an der Kunstakademie, bevor sie in Peking den Bachelor in New Media Art erwarb. Seit 2014  studiert sie Fotografie an der Akademie der Bildenden Künste in München. Ihre Ausstellung ist noch bis zum 31.05.2015 zu sehen in der Akademie Galerie (Mo - Fr 14 - 18 Uhr, Sa/So 12 - 21 Uhr).

 


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