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Ein Kunstblog für München








"The More The Merrier, 2011", © Tom Schmelzer.

Eineinhalb Stunden führt mich Tom Schmelzer durch sein Atelier. Zu entdecken gibt es viel: Auf dem Boden liegen verschiedene Objekte, unter anderem ein vergoldeter Hammer ("The More The Merrier", 2011), ein ganzer Eimer voller geschredderter Dollar Noten ("The Grass is Greener", 2007) und ein Holzrechen, dessen Zinken aus weissen Kerzen bestehen ("The Promise", 2013). Andere Objekte sind andachtsvoll auf Sockel platziert und beleuchtet, wie etwa ein verschrumpelter Apfel unter mehreren Glasglocken gesichert, der die verbotene Frucht aus dem Garten Eden verkörpert ("Original Sin / Urschuld", 2012) oder ein prachtvoller Hut, welcher scheinbar einer Haute Couture Modenschau entstammt, doch bei genauerem Hinsehen erkennt man dass die mondäne Kopfbedeckung aus über hundert aufgespießten Skarabäen, auch Mistkäfer genannt, besteht ("Scarab Hat", 2010). Im Nebenraum befindet sich eine Installation von Ventilatoren und einem schwebenden Ballon aus Silber-Folie ("In Balance xxl, 2013) und auf einem Tisch steht ein silberner Kelch, dessen Griff einen wohlgeformten Penis darstellt und an die vielen Missbrauchsfälle innerhalb der Katholischen Kirche erinnern soll ("Forget-Me-Not", 2007). Die Hybris, als sprachlicher Ausdruck von Vermessenheit und Selbstüberhebung, steht über dem Werk des Künstlers. Immer wieder geht es ihm um Verschwendungssucht, Luxus, Wollust, Moral und Vergänglichkeit.  

Keine Frage, Tom Schmelzer will mit seiner Kunst etwas aussagen. Er will provozieren, wachrütteln und seine Ideen in Formen fassen. Das Konzept, die Idee oder ein Gedanke ist der Ausgangspunkt einer jeden Arbeit. Es stellt das Fundament oder Gerüst dar, um welches Tom Schmelzer eine Form entstehen lässt. Meist sind dies uns wohlbekannte und zugängliche Gebilde, Formen und Objekte, die wir traditionell mit bestimmten Inhalten belegen. In ihrer Überspitzung wirken sie wie Vanitas-Symbole. Auf der Rezeptionsebene erzählen sie Geschichten, die der aufmerksame Betrachter auf eine sozialkritische oder politische Ebene übertragen wird. 

Tom Schmelzer sieht sich selbst als Konzeptkünstler. Und, obwohl es ihm, wie er sagt, nicht um die Ästhetik in der Kunst geht, ist ihm die Qualität der Ausführung, sowie die präzise Behandlung des Materials besonders wichtig. Kommende Ausstellungen werden voraussichtlich Ende dieses Jahres in Hamburg und Berlin stattfinden.

 

"The Grass is Greener, 2007", © Tom Schmelzer.

 

"The Promise, 2013" (Ausschnitt), © Tom Schmelzer.

 

"Original Sin / Urschuld, 2012", © Tom Schmelzer.

 

"Scarab, 2010", ©Tom Schmelzer.

 

"In Balance XXL, 2013", @Tom Schmelzer.

 

"Forget-Me-Not, 2007", ©Tom Schmelzer.

 

"Sunrise in Babbitte County, 2013", ©Tom Schmelzer


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