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Ein Kunstblog für München







(Bild wurde urheberrechtlichen Gründen entfernt)

"Description of a Table", 1964, 

“Good art should elicit a response of ‘Huh? Wow!’ as opposed to ‘Wow! Huh?’”—Ed Ruscha. (Gute Kunst sollte einem ein "Huh? Wow!" entlocken im Gegensatz zu "Wow! Huh?")

Ob dies immer so ist, möchte ich nicht beurteilen. Allerdings ging es mir so, oder ähnlich, in der Retrospektive des Amerikanischen Künstlers Richard Artschwager im Haus der Kunst. Man betritt einen Raum der Ausstellung und denk: "Huh?" Was sind das für Dinge? Handelt es sich um Skulptur oder um Malerei? War hier ein Schreiner am Werk, oder befinden wir uns gar in einer Puppenstube mit all den merkwürdigen Möbeln die hier herumstehen? Und allmählich erkennt man "Wow!" So wie Artschwager mit Formen und Materialien umgeht ist besonders, experimentell im Sinne von neuartig, ungewöhnlich und fremd. 

Da ist zum Beispiel "Description of a Table" (1964), ein aus Sperrholzplatten und Laminat, handwerklich präzise gefertigter Kubus (eigentlich ein Quader, da nicht wirklich alle Seiten gleich lang sind), der aussieht, wie ein Holztisch mit vier Beinen, auf dem eine weisse Tischdecke ausgebreitet ist. Die schwarz-laminierte Fläche unter dem Tisch indes, ist nicht wirklich leerer Raum und so bleibt das Objekt ein kompakter Würfel und als Gebrauchsgegenstand vollkommen unnütz. Artschwager schafft es, ein dreidimensionales Möbel, sei es ein Tisch, ein Piano oder eine Kommode, flach wie ein Bild erscheinen zu lassen, um zugleich mit Mitteln, die der trompe d'oeil Malerei ähneln, eine Räumlichkeit zu kreieren. Das immer wiederkehrende Laminat verfremdet und trivialisiert das künstlerische Werk dabei und so entsteht das erwähnte "Huh?", die Irritation über über das Wesen des ausgestellten Objektes.


""Journal II", 1991,(Bild wurde urheberrechtlichen Gründen entfernt)

Eine andere Arbeit, wiederum aus Sperrholz und Laminat und ursprünglich über die Ecke eines Raums konzipiert, klebt reliefartig an der Wand. "Journal II" (1991) gehört der Serie der "Splatter" Arbeiten an, in denen der Künstler die Zersplitterung von Objekten in Reliefs darstellt. Hier scheint ein Stapel Holzbretter an der Wand zu zerbersten und explosionsartig in schwarz-weiss maserierte Splitter auseinanderzubrechen. Comicartig flach und erstarrt erscheint die Explosion an der Wand trügerisch und wesenlos. Das Material, genauso wie die Darstellung selbst, ist unwirklich: wie gemalt aber auch massiv, wie ein Bild und doch eine Skulptur, bedrohlich und zugleich verspielt. 


"Destruction III" 1972,(Bild wurde urheberrechtlichen Gründen entfernt)

Wie aus einer anderen Welt, wirkt auch Artschwagers Grisaille-Malerei auf Celotex, eine industriell gefertigte und  überaus faserige Schichtstoffplatte. Die raue Struktur des Untergrunds verfremdet einerseits die Darstellung und rückt sie anderseits in die Dreidimensionalität. Wieder exploriert der Künstler die Grenzen zwischen Malerei und Skulptur. Er selbst erklärt dies in einem Interview: "sculpture is for the touch, painting is for the eye. I wanted to make a sculpture for the eye and a painting for the toucht". 

Das Konzept der Ausstellung, so der Pressetext, "ist darauf ausgerichtet das Verständnis von Artschwagers experimenteller Erkundung der gängigen Medien von Malerei, Skulptur, Zeichnung und Grafik zu vertiefen". Dies ist gelungen und der gesamte Verlauf der Ausstellung hat mir das eingangs erwähnte "Wow!" entlockt. In der Gesamtheit der Objekte, der Bilder, der "blps" und der verwendeten Materialien, erwacht die unglaubliche Kohärenz  des Werkes von Richard Artschwager. Seine Bilder sind Objekte und seine Möbel sind Bilder.  Letztendlich will der Künstler die Aufmerksamkeit um die Dinge um uns herum schärfen,  er irritiert den Blick, um Raum zu schaffen für weitere Betrachtungen.

 

"Exclamation Point (Chartreuse)", 2008, (Bild wurde urheberrechtlichen Gründen entfernt)


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