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Ein Kunstblog für München







© Patrick Hartl.

Patrick Hartl ist Maler, Designer und Illustrator - In jedem Fall aber ist er Künstler! Mit seiner Arbeit widersetzt er sich den Vorurteilen des Kunstmarktes und "amüsiert" sich über das Schubladen-Denken einiger Menschen. 

Ich habe seine zweifellos sehenswerte und noch bis zum 11.10.2014 laufenden Ausstellung bei MuniqueArt zum Anlass genommen, ein Interview mit ihm zu führen:

Kunstblog-München: Deine aktuelle Ausstellung  "Still Just Writing My Name" in der Galerie MuniqueArt ist Aktions-Kunst, Rauminstallation, Graffiti, Malerei und Kalligrafie in Einem. Auf deiner Webseite, www.patrickhartl.com, trittst Du allerdings als Graphikdesigner und Illustrator auf. Wird man als Illustrator im Kunstmarkt überhaupt wahrgenommen, bzw. anerkannt?

Patrick Hartl: Auch bei MuniqueArt trete ich (ganz offiziell laut Pressetext und Flyer) als Maler, Designer und Illustrator auf. Meine Wurzeln liegen im Graffiti, später habe ich Design mit Schwerpunkt „Freie Kalligrafie“ studiert, meine Diplomarbeit bestand aus Illustrationen zum Alten Testament, und in meiner ersten Anstellung habe ich Kinoplakate gestaltet. Ich lege mich nicht gerne fest, und finde es persönlich eher amüsant, dass die Menschen einen selbst als „Kreativen“ immer in eine Schublade stecken müssen. Leider tut man sich im Kunstmarkt meiner Erfahrung nach als Designer tatsächlich schwerer anerkannt zu werden.

Der Titel ist übrigens inspiriert von KRS-ONE’S Song „Out for fame“, mit der Textzeile „Just writing my name in Graffiti on the wall“.

© Patrick Hartl.

Kunstblog-München: Du bist Mitherausgeber von "Beyond Illustration", ein Buch das sich mit der Frage der Grenzen zwischen Kunst und Illustration auseinander setzt. Welche Schlüsse hast Du bei der Arbeit an diesem Buch und den Erfahrungen die Du dabei gemacht hast, selbst ziehen können?

Patrick Hartl: Es war sehr interessant zu sehen wie viele verschiedene Blickwinkel und Meinungen es zu diesem Thema von den ausgewählten Künstlern gab. Oft habe ich das Gefühl es geht ein Stück weit auch immer darum sein „Territorium“ zu verteidigen, nach dem Motto „Oh Gott, wenn jetzt die ganzen Grafiker und Illustratoren auch noch in den Kunstmarkt einbrechen wird es ja noch schwieriger….“ - und anders herum. Für mich selbst versuche ich diese Einteilungen nicht allzu ernst zu nehmen.

© Patrick Hartl.

Kunstblog-München: Wenn Du als Künstler arbeitest, verlassen Deine Werke oft den Bildraum und setzten sich auf Wänden und Fußböden fort (siehe Video). Liegt auch in dieser "Freiheit" der Unterschied zur Illustration? 

Patrick Hartl: Das ergibt sich je nach Projekt, Situation und Rahmenbedingungen. Wie gesagt, gibt es für mich selbst da keine Unterschiede. Wenn ich die Möglichkeit habe über den Bildraum hinaus zu arbeiten nutze ich das sehr gerne. Besteht diese Möglichkeit nicht (weil ich z.B. durch ein vorgegebenes Format festgelegt bin) stelle ich mich darauf ein und arbeite mit dem was da ist - beides kann sehr interessant sein. Die Freiheit alles zu tun, oder ein eingeschränktes Arbeitsfeld, müssen nicht gleichbedeutend sein mit besser oder schlechter, es entstehen nur verschiedene Resultate.

© Patrick Hartl.

Kunstblog-München: Kalligrafie spielt eine wichtige Rolle in Deiner künstlerischen Arbeit. Wie bist Du dazu gekommen? Und was bedeutet Schrift für Dich?

Patrick Hartl: Wie schon gesagt liegen meine Wurzeln im Graffiti. Schon in diesem Gebiet habe ich mich ausschließlich mit Schrift beschäftigt, und seitdem ich im Design Studium auch noch „Freie Kalligrafie“ als Schwerpunkt gewählt hatte, zieht sich die Arbeit mit Schrift wie ein roter Faden durch meine kreative Laufbahn. 

Beim Schriftschreiben entsteht ein Bewegungsrhythmus, der die Buchstaben umgibt. Lässt man die Buchstaben weg, bleibt die Bewegung übrig. Kalligrafie, egal ob in lesbarer, oder nicht lesbarer Form visualisiert Formen die aus dem Inneren des Menschen kommen. Die Kalligrafie ist somit „Visualisierung der menschlichen Bewegung“.

© Patrick Hartl.

Kunstblog-München: Deine schwungvollen, vielfach überlagerten Arbeiten erinnern mich manchmal an das Werk von Cy Twombly, der sich sowohl in der Ausführung als auch inhaltlich für den Prozess des Schreibens, der Überlagerung von Malerei und Zeichnung sowie der Überlagerung von Inhalten interessierte. Kannst Du Dich damit identifizieren? 

Patrick Hartl: Das nehme ich jetzt natürlich als großes Kompliment, und ich kann mich auch damit identifizieren. Twombly war ja zu seinen Lebzeiten selbst von Graffiti, Street Art, und generell dem Schreiben auf Wänden fasziniert. Er hat in seinen Schriftzeichen und Symbolen eine sehr starke und einzigartige Bildsprache geschaffen. Allerdings hat bei Twombly jede Linie, jeder Strich, jeder Pinselzug seine Bedeutung. Im Gegensatz dazu sind meine Arbeiten immer auch Experiment und dokumentieren auf gewisse Weise den Entstehungsprozess.

© Patrick Hartl, "Yes, I said FUCK YOU".

Kunstblog-München: In dem bereits erwähnten Video über deine Arbeit sprichst Du davon, das nicht nur das fertige Bild für dich wichtig ist, sondern vor allem der Weg und die Geschichten die dazu führen. Kannst Du ein Beispiel einer solchen Geschichte beschreiben?

Patrick Hartl: In meinen Bildern sind ganz viele Dinge eingearbeitet die in verschiedenster Weise mit meinem Leben zu tun und mich inspiriert bzw. angespornt haben. Plakate von Bands die ich mag, von Konzerten auf denen ich war, oder gerne gewesen wäre, kleine Kalligrafien von meinen Japan Reisen, „fiktionales Graffiti“ wie das 12 Monkeys Logo aus dem gleichnamigen Film von Terry Gilliam, oder dem „El Barto“ Tag aus „Die Simpsons“, Namen und Tags von Künstler und Freunden die ein wichtiger Teil meines Lebens sind, mit denen ich zusammengearbeitet und tolle Geschichten erlebt habe. Manchmal lade ich sogar Künstler ein sich selbst in dieser Art zu integrieren.

Dabei geht es mir aber nicht in erster Linie darum, diese Details sichtbar einzuarbeiten, sondern auch darum Material zu bekommen, aus denen ich die vielen Schichten meiner Arbeiten aufbauen kann. Ich denke diese Vielschichtigkeit ist der Fokus der meine Arbeiten ausmacht. Mittlerweile ist es wie gesagt nicht mehr nur das fertige Kunstwerk das für mich wichtig ist, sondern der ganze künstlerische Prozess der überall die Jahre entstanden ist, die Experimente, die Leistungen, aber auch die Fehler die daraus resultierten, der nie endende Lernprozess. Was macht mich aus, die Summe meiner Erfahrungen oder die Essenz daraus und wenn ja, woraus besteht diese?

Nach über 20 Jahren Graffiti gibt es visuell gesehen nichts was ich mehr liebe als eine 10 Jahre alte Wand, die besprüht, gereinigt, wieder besprüht, überstrichen oder ausgebessert wurde, wieder und wieder, Schicht für Schicht. Das macht heute für mich den Essenz von Graffiti aus, diese „Fragmente der Geschichte““ - und diese Stimmung, dieser „Flavor“ ist es den ich versuche in meinen Arbeiten einzufangen und festzuhalten.

© Patrick Hartl.

Kunstblog-München: Sind weitere Ausstellungen/Projekte geplant? 

Patrick Hartl: Diese Woche werde ich beim 20-jährigen Jubiläums des ISART Projekt der „Färberei“ und des Kulturreferates München teilnehmen und einen der Pfeiler der Brudermühlbrücke gestalten. Des Weiteren stehe ich in Verhandlungen mit einem Verlag wegen eines Buches über Freie Kalligrafie, und ich werde voraussichtlich ab dem Winter mit Galerien in München, Hamburg, Amsterdam und London zusammenarbeiten. Die Teilnahme an Gruppenausstellungen 2014/2015 und eine weitere Einzelausstellung für 2015 in München sind in Planung.


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