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Ein Kunstblog für München







Es gibt viele Berichte über die 55. Biennale von Venedig. Bereits auf der Preview in der letzten Woche sprach jeder davon, dass dieses Mal alles anders sei. Weniger kommerziell, dafür tiefsinniger; eine Kartographie aller Bilder und Darstellungen unserer Zeit, eben so, wie der Enzyklopädische Palast, unter dessen Motto die diesjährige Biennale steht, es vorsieht. Doch was genau bedeutet "anders", "tiefsinnig" und "weniger kommerziell" und wird man solche Kunst in Venedig auch überall antreffen? 

Ich konnte in den berichterstattenden Magazinen und Zeitungen erfahren, dass Zeichen gesetzt wurden, sei es durch den Tausch der Pavillons zwischen Deutschland und Frankreich (Anlaß ist der 50. Jahrestag des deutsch-französischen Élysée Vertrages), oder weil der Kurator, Massimiliano Gioni, nicht auf Art-Basel-geeignete-Künstler setzt, sondern vermehrt sogenannte "Outsider-Art" zeigt (ist dies ein politisch korrekter Begriff?). Gleichzeitig wird von "Materialschlacht" geschrieben und darüber, wie die Biennale, ebenso wie die parallel  stattfindende Show der Fondazione Prada, auf der Retrowelle schwimme. Massimiliano Gioni, der 39 jährige und damit jüngste künstlerische Leiter der Biennale, wird von den italienischen Medien ehrfurchtsvoll "unser Wunderkind" oder "Prophet" genannt und der deutsche Pavillon sei weniger Ausstellung, als reine Assemblage. 

Einig scheint man sich indessen darüber zu sein, dass Massimiliano Gioni die Biennale befreit hat. Befreit vor allem von dem Stigma eines Preview-Events der Shoppingmeile Art Basel. Durch das Vorziehen der Biennale um 2 Wochen, sei genügend Abstand geschaffen worden und das Konzept des Enzyklopädischen Palasts erlaube einen weniger kommerziellen Standpunkt. Manch einer glaubt sogar, dies wäre erkennbar an der geringeren Größe der Yachten in der Lagune von Venedig. 

Liegt hierin das oben erwähnte Andersartige der diesjährigen Show? Und gab es ähnliche Bekundungen über einzelne Pavillons, über Kuratoren und Künstler nicht schon in den Jahren zuvor?

Für mich ist die 55. Biennale von Venedig so wie sie immer ist: mal aufregend und stark, mal ganz banal. Es gibt gute Kuratoren, politische Aussagen und ausdrucksstarke Arbeiten, genauso wie hübsche Banalitäten, Selbstinszenierungen, Märtyrertum und andere Absonderlichkeiten. Vor allem aber gibt es jedes zweite Jahr in Venedig so viele  Meinungen, wie es Boote in der Lagune gibt. Und so glaube ich, dass ungeachtet aller Versuche dies zu ändern, auch dieses Jahr zur Art Basel wieder mitgenommen wird, was in Venedig längst zu sehen ist.

Aus diesem Grunde möchte ich es hier unterlassen wertende Urteile zu fällen. Die Biennale ist immer faszinierend und immer einen Besuch wert. Und sei es nur, weil sie in einer der schönsten Städte der Welt zu Hause ist.

Im Folgenden nun eine Auswahl meiner Favoriten, die vielleicht der Anregung dienen.

 

Französischer Pavillon: ANRI SALA "Ravel Ravel Unravel" 2013:

Ein High-Definition-Multi-Screen Spektakel: Der Titel spielt mit dem Namen des Komponisten Maurice Ravel, dem englischen Verb "ravel" (verwirren) und seinen Antonym "unravel" (entwirren). Zwei Pianisten spielen Ravels Konzert in D für die linke Hand. So entstehen zwei vom unterschiedlichen Stil und Tempi geprägte Versionen desselben Konzerts. DJane Chloé versucht diese wieder zu synchronisieren.

 

Österreichischer Pavillon: MATHIAS POLEDNA, "Imitation of Life":

Dreiminütiger Trickfilm, der in einer sehr aufwendigen Produktionsarbeit über mehrere Jahre entstanden ist und gute Laune verbreitet.

 

Belgischer Pavillon: BERLINDE DE BRUYCKERE, "Kreuelhout - Cripplewood":

Installation aus Wax, Eisen, Gips, Textilien und Farbe. Thematisch befasst sich die Künstlerin unter anderem mit Leben und Tod, Eros und Thanatos, Stärke und Verletzlichkeit, sowie Verlangen und Verletzlichkeit.

 

Polnischer Pavillon: KONRAD SMOLENSKI, "Everything Was Forever, Until It Was No More":

Eine ohrenbetäubende Soundinstallation aus zwei Glocken und zwei Wänden aus Breitband Lautsprechern, sowie vibrierenden Metallplatten.

 

Rumänischer Pavillon: MARIA ALEXANDRA PIRICI & MANUEL PELMUS, "An Immaterial Retrospective Of The Venice Biennale":

Hier werden Höhepunkte vergangener Biennalen in einem ansonsten leeren Raum pantomimisch dargestellt. 

 

Arsenale: WALTER DE MARIA "Apollo's Ecstasy", 1990, 20 massive Bronze Stangen aus der Sammlung des Stedelijk Museum, Amsterdam:

 

Arsenale: VIVIAN SASSEN, "Lexicon 2005 - 2012". 

 

Arsenale: RUDOLF STEINER, "Wandtafelzeichungen 1923". 


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