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Ein Kunstblog für München







 

Matthew Barney & Jonathan Bepler: "River of Fundamen", 2014, Production Still, (Bild wurde urheberrechtlichen Gründen entfernt)

"River of Fundament" ist der Titel eines fast 6 Stunden langen Films von Matthew Barney (Jonathan Bepler komponierte die Musik), welcher bisher erst zwei mal gezeigt wurde: Nachdem im Februar 2014 die Uraufführung im BAM Harvey Theater in Brooklyn, New York statt fand, wurde am 16. März das Münchner Publikum in der Bayerischen Staatsoper Zeuge dieses monströsen Werkes. Im Haus der Kunst findet man in der gleichnamigen Ausstellung die Spuren und Belege des Films: viele Tonnen Eisen, Bronze, Kupfer, Blei, Messing und Silber, sowie Schwefel und Salz verteilen sich in den Räumen des Monumentalbaus an der Prinzregentenstraße, welche angesichts der ihr innewohnenden Materialschlacht fast elegant wirken. 

 

Matthew Barney & Jonathan Bepler: "River of Fundamen", 2014, Production Still, (Bild wurde urheberrechtlichen Gründen entfernt)

In der Einführung des von der Staatsoper herausgegebenen Begleitheftes ist über den Film folgendes nachzulesen:

Vor dem Hintergrund amerikanischer Industrielandschaften erzählt der Film "River of Fundament" eine epische Geschichte von Erneuerung und Wiedergeburt. Auf der physischen Ebene tritt ihre facettenreiche Hauptfigur als drei Manifestationen eines Autos in Erscheinung, auf der Bewusstseinebene als unterschiedliche Aspekte vier verschiedener Menschen. Sich frei an Norman Mailers 1983 veröffentlichten Roman "Ancient Evenings" (Frühe Nächte) orientierend, dessen auf ein ewiges Leben hoffender altägyptischer Protagonist dreimal wiedergeboren wird, entlehnt "River of Fundament" seine Struktur, die die sieben Stufen widerspiegelt, welche die ägyptische Seele auf ihrer Wanderung in ein neues Leben durchlaufen muss. Der Film, als nicht-traditionelle Oper konzipiert (....) verbindet dokumentarische Liveaufnahmen von drei Outdoor-Performances in Los Angeles, Detroit und New York mit Spielfilmszenen hauptsächlich aus Norman Mailers akribisch nachgebauten Brownstone-Apartment, wo die Totenwache für den Schriftsteller abgehalten wird. 

 

Matthew Barney & Jonathan Bepler: "River of Fundamen", 2014, Production Still,(Bild wurde urheberrechtlichen Gründen entfernt)

Thematisch geht es in dem Film um  Tod, Wiedergeburt, Reinkarnation und Transformation. Zu sehen bekommt man in den 6 Stunden neben den Performances, der skurrilen Totenwache und auch ein paar wunderschönen Naturaufnahmen, vor allem unsinniges Macho-Zeug: eine ganze Menge Fäkalien, vor allem Kot, anale Penetration, Erbrochenes  und so manche Penisse. Doch mehr als das diese Aufnahmen schockieren, verwirren sie; sie ziehen die eigentliche Handlung oft unverständlich in die Länge und wirken dadurch häufig banal und lächerlich. Gefilmt ist dies alles jedoch makellos und in der Regel sind die Bilder sogar atemberaubend schön. 

 

Matthew Barney: "Canopic Chest", 2011, Cast Bronze, Laurenz-Stiftung, Basel,(Bild wurde urheberrechtlichen Gründen entfernt)Die Relikte der Live-Performances liegen nun im Haus der Kunst und tragen Titel wie "Canopic Chest", ein Abguss aus den Überresten des Kühlers eines 1967 Chrysler Crown Imperial gegossen, der im Zuge der sogenannten REN Performance in Los Angeles zerstört worden war, "DJED", eine weitere Transformation desselben Fahrzeugs, entstanden in Detroit und "Trans America", welches während der BA-Performance in New York gegossen wurde und die zweite Inkarnation von Norman Mailer verkörpert. 


Matthew Barney & Jonathan Bepler: "River of Fundamen", 2014, Production Still, (Bild wurde urheberrechtlichen Gründen entfernt)

Allein 25 Tonnen Eisen, Koks und Kalkstein wurden für "DJED" in fünf Gussöfen eingeschmolzen, so dass die Skulptur wohl zu einer der größten nicht-industriellen Eisengüsse der Geschichte gehört (das obige Production Still zeigt den Guss von "DJED").  Eine Gigantomanie, die jedoch ohne den Film - dieser wird im Haus der Kunst bisher nicht gezeigt - künstlerisch kaum Wirkung entfaltet.  Denn kennt man den über 6 Jahre andauernden Entstehungsprozess und Inhalt des Filmes nicht, wird man sich wohl mit den Skulpturen allein schwer tun. 

 

Matthew Barney: River of Fundament, "Rouge Battery", Detail. Installation view Haus der Kunst, 2014. (Bild wurde urheberrechtlichen Gründen entfernt)Während ich "River of Fundament" als Film das Prädikat "Kunst" gerne zuschreiben möchte, konnte ich der Ausstellung im Haus der Kunst nicht wirklich viel abgewinnen.  Ausser den sehr schönen Zeichnungen, die mal in aufwendigen Rahmen an der Wand hängen, mal dreidimensional in Vitrinen liegen,  hätten es vielleicht auch ein paar gute Production Stills aus "River of Fundament" getan, um eine beeindruckende, den Film begleitende Ausstellung zu kreieren. Doch damit ließen sich womöglich die kaum vorstellbaren Kosten des Streifens nicht einspielen.

 

Matthew Barney: River of Fundament, "Secret Name", 2008 - 2011. Installation view Haus der Kunst, 2014. (Bild wurde urheberrechtlichen Gründen entfernt)


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