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Ein Kunstblog für München







 

"Thou Art More Lovely", © Margriet Schmulders, courtesy Galerie Jordanow.

Einfach nur schön! könnte man über die Arbeiten der niederländischen Künstlerin Margriet Schmulders ausrufen. Doch sie sind mehr als das. Die großformatigen Fotografie-Stillleben sind farbenprächtig, dynamisch, üppig, berauschend, feminin, fühlbar und vieles mehr. Ihre Blumen Arrangements erinnern an die barocken Stilleben der Niederlande des 17. Jahrhunderts, ebenso wie an David LaChapelles Hochglanz Blumen Arrangements oder Pipilotti Rists Video Installation "Pour your body out". Allerdings wird man in Smulders Arbeiten wohl kaum eine politische Aussage, ein sozialkritisches Statement oder einen philosophischen Hintergrund finden. Immerhin, sie verbreiten Wollust, Sinnlichkeit und Opulenz. Auch dies kann Kunst sein.

 

"My Heart Your Heart", © Margriet Schmulders, courtesy Galerie Jordanow.

Smulders arbeitet mit großen Spiegeln gefüllt mit Wasser, auf denen sie Blumen, fließende Glasskulpturen, Früchte und Zweige, mal wie auf einer Bühne gruppiert, mal zu abstrakten Arrangements  sorgsam zusammenfügt. Aufwendig drapierte, farbige Stoffbahnen geben den  Kompositionen ihre jeweilige Stimmung, die irgendwie immer an "Alice im Wunderland" erinnert. Die Künstlerin kreiert wundersame Räume, in denen sich die Realität fließend in Reflektionen verwandelt und die Grenzen dazwischen aufgelöst erscheinen. Die Naturgesetzte erweisen sich in Ihren Fotografien als außer Kraft gesetzt und Zeit und Entfernung gebärden sich als unzuverlässig.

 

"The World is Not Enough", © Margriet Smulders, courtesy Galerie Jordanow.

Ohne digitale Nachbearbeitung entstehen nur durch Licht, Farbe, Reflektionen und fließende Bewegungen, Traumgebilde, in die man sich, wie in einen psychedelischen Trip, hineingezogen fühlt. Zurück bleibt ein euphorischer Zustand und Bewunderung für die verwirrende Schönheit dieser Hochglanzfotografien. Es fällt mir schwer dies anzuerkennen. Denn das Genre des Stilllebens wird nicht nur von mir oft stiefmütterlich behandelt. Es gilt als Übungsgenre: Eine Schale voller Blumen und Früchte ist ein unkompliziertes Modell und wird stundenlang stillsitzen, während der Fotograf seine Technik perfektionieren kann. Oft sehen wir das Stilleben als niedere Form der Kunst, mehr Dekoration oder gar Kitsch. Denn eigentlich suchen wir nach einer Aussage, einem Sinn oder einer Erklärung in einem Kunstwerk. Ohne Bedeutungsgehalt erscheint uns Kunst oftmals banal.

 

"Meringue", © Margriet Smulders, courtesy Galerie Jordanow.

Im allgemeinen stehen Blumen, Blätter und Zweige für Vitalität und Lebenskraft. Sie sind gleichzeitig zum verwelken verurteilt und vor allem Schnittblumen dem Tod geweiht. Rosen bedeuten Liebe und Schönheit, Tulpen stehen für Leichtsinn und Verantwortungslosigkeit, während Mohn die Trägheit und den Schlaf herbeiführt. Jeder kann sich daraus seinen eigenen Bedeutungsgehalt heraussuchen. Oder aber, man gibt sich eine Weile den Farben und der Schönheit hin, und läßt seine Gedanken ganz einfach schweifen.

 

"Summer Lease", © Margriet Smulders, courtesy Galerie Jordanow.

 


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