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Ein Kunstblog für München







Marc Aurel, courtesey: Galerie Robert Weber, 2014.

Marc Aurel ist durch und durch Künstler. Googelt man seinen Namen im Internet, stößt man auf ein YouTube Video, quasi ein "About" des Künstlers. Es handelt sich um eine Performance mit dem Titel "Künstla" in der er sich selbst besing:

 "Ich bin kein Maler, sondern ein Künstler; ich bin kein Musiker, ich bin ein Künstler; ich bin kein Mensch, sondern ein Zustand (...) ich bin die Vision (...)" Marc Aurel lebt seine Kunst, er inszeniert performt, malt und formt sie. Die Ausstellung "Oceanus Porcellarum oder: Die neue Ernsthaftigkeit" in der Galerie Robert Weber war für mich eines der Highlights der diesjährigen OPEN ART: erfrischend anders, weit entfernt vom Mainstream und vor allem Lust machend auf mehr.  

 


"Wilder Honig", © Marc Aurel, courtesey Galerie Robert Weber, 2014.

Wenn Marc Aurel die ausgestellten Bilder beschreibt, verwendet er Wörter wie: "Pseudo digital" und "primitive optiacs" und bezieht sich damit auf die Optik seiner neuesten Arbeiten, denn er imitiert in diesen Bildern die Grafiksoftware "Paint", welches seinem Nutzer erlaubt mittels einfacher Werkzeuge, wie der "Linienfunktion", der "Pipette", einem "Füllwerkzeug und dem "Radiergummi" Bilder zu erstellen und Korrekturen vorzunehmen.  So entstehen die breiten ungenauen Farbflächen, die Auslassungen und die wackeligen Umrandungen, die wir in Marc Aurels Arbeiten wiederkennen und die uns schmunzeln lassen über unsere eigenen ersten Malversuche mit diesem heute fast antik wirkenden Programm. 

 

"Eagle", © Marc Aurel, courtesey galerie Robert Weber, 2014.

Doch die Bilder sind weit mehr als die Imitation eines Malprogramms. Der Künstler, der in München bei Prof. Oehlen studierte und ihm ab Oktober diesen Jahres auch an der Akademie assistieren wird, setzt sich in seinen Werken mit aktuellen Themen auseinander.  Der Titel der Ausstellung, „Oceanus Procellarum (lat. Meer der Stürme, ein Mondmeer) oder: Die neue Ernsthaftigkeit" deutet darauf hin: Oceanus Porcellarum ist der Name eines Mondmeeres, welches durch die Überflutung mehrerer großer Impakt-Krater entstanden ist, so die gängigste These in der Forschung.  Für Marc Aurel steht der Begriff als Metapher für die Eingriffe des Menschen in unsere Natur und deren Auswirkungen. Er selbst schreibt über den Titel und die Ausstellung:

"Es sind stürmische Zeiten, die Wellen der Ereignisse in der Welt überschlagen sich, man steht gefangen in einer großen Ohnmacht. Und dennoch ragen Säulen einer Hoffnung empor. Es geht um die Zurwehrsetzung des Meeres, den Mond als Wegweiser Atons in dunkler Nacht, um die Erinnerung an die Stellung und Aufgabe des Menschen innerhalb der Natur. Es handelt von der Wahrheit, dass es so ist, wie es ist. Von einem zwiespältigen Augenzwinkern in einer dualen, konfliktären Welt. Es ist die Suche nach Ausdrucksformen auf einem preziösen Markt. Es ist ein Ding der Sache. Eine Ode an eine unangenehme Unschuld im verführerischen Spiel mit der Metaphysik. Zeit und Widersprüche. Und letztendlich: Coolheit liegt im Auge des Betrachters.

 

Marc Aurel vor "Frutti die Army 2", courtesey: Galerie Robert Weber, 2014.

"Frutti di Army 2" stellt den Meeres- und Flussgott Oceanus, erkennbar an den Krebsscheren auf seinem Kopf, inmitten seines Reiches, den großen Ozeanen der Welt dar. In der Mythologie gilt Oceanus, im Gegensatz zu Poseidon, als friedfertig und konfliktscheu. Es scheint als versuche er stoisch über sein Imperium zu wachen, statt sich aufzubäumen und Rache zu nehmen. Die Qualle, deren Körper und Fangarme fast ein Drittel des Bildraums einnimmt, zählt zu den ältesten Tieren der  Erdgeschichte und ist ein Überlebenskünstler.  Stellt dieses Tier sinnbildlich die "Zuwehrsetzung des Meeres" dar, von der Marc Aurel spricht?

Eines ist klar: Der Künstler fordert vom Betrachter , dass er genauer hinsieht. Seine Aussage ist unter Metaphern, mehrdeutigen Hinweisen und einiges an Ironie versteckt. Der Stil des "Paint" - Programms täuscht dabei eine gewisse reduzierte und uns bekannte Bildsprache vor, die Raum lässt für die Komplexität des Inhaltes und der Aussage des Kunstwerkes.  Marc Aurel ist sicherlich ein Künstler, der mit seinem Werk provozieren will und auf die Missstände unserer Gesellschaft mit viel Intuition und manchmal auch ein wenig Nonsense hinweist.  Ich bin gespannt, was wir in den nächsten Jahren noch von ihm hören werden.

 


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