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Ein Kunstblog für München







Installationsansicht: Heinz Frank, "Ewige Treue hält das Loch seiner Leere..", Foto: Wilfried Petzi, courtesy Galerie Rüdiger Schöttle, 2014.

In der Galerie Rüdiger Schöttle stehen sich zwei Ausstellungen gegenüber: Im Erdgeschoss der Galerie befinden sich Arbeiten der aus Mexico City stammenden Künstlerin, Lorena Herrera Rashid (1972), die ihr Studium an der Akademie der Bildenden Künste bei Olaf Metzel 2012 abgeschlossen hat, wogegen im Obergeschoss Positionen des Wiener Künstlers, Heinz Frank (1939) ausgestellt sind, der bereits seit den 70er Jahren künstlerisch tätig ist. Beide Künstler verstehen es, jeder auf seine Weise, das unmittelbar Sichtbare in ihrem Werk, mit einer anderen Betrachtungsweise in Verbindung zu setzten, so dass eine besondere Aufgeladenheit entsteht.

Heinz Frank "Geformte Stille", 1987, Foto: Wilfried Petzi, courtesy Galerie Rüdiger Schöttle.

Heinz Frank geht in seiner Arbeit zunächst von einem Gedanken aus, den er zu einem Text formuliert und anschließend in eine Form transformiert. Seine Plastiken, Skulpturen und Illustrationen spiegeln Gefühle und Emotionen wider. "Geformte Stille" (1987), so der Titel und zugleich formgebender Gedanke dieser Skulptur, besteht aus einer Posaune, auf deren Ende sich ein deformierter Kopf aus gebranntem Ton befindet. Die Formation ist fest mit dem Boden verankert, denn der Trichter der Posaune weist nach unten und lässt  die Vererdung erkennbar werden. Obwohl die weichen Konturen der Posaune ebenso in Kontrast zu dem amorphen Charakter des Kopfes stehen, wie die Materialität der beiden Elemente, ruht die Skulptur doch stoisch in sich. Die Ausgewogenheit, die Vererdung, der zum Boden weisende Trichter und der deformierte und somit unnütz wirkende Kopf  strahlen diese merkwürdig spirituelle Stille aus, die der Skulptur ihren Titel gibt. 


Heinz Frank "Keine Augen, die das NIchts sehen", 1975, Foto: Wilfried Petzi, courtesy Galerie Rüdiger Schöttle.

Eine weitere Arbeit heißt "Keine Augen, die das Nichts sehen" (1975) und funktioniert ähnlich: Verschiedene gegensätzliche Formen und Materialien (Stein, Holz, Bambus und Farbe) formulieren eine Aussage. Die Darstellung des weiblichen Kopfes birgt leere, tiefe Höhlen, dort wo sonst Augen sind und der auf dem Haupt balancierte Bambusstab, gibt höchstens eine Richtung an. Der Rezipient kann das Nichts erahnen, er spürt es in der Abwesenheit des Blickes und in der Komposition der einzelnen Elemente. Hierin liegt die Poesie der Arbeiten Heinz Franks: Die einzelnen Elemente fügen sich zu einer emotionalen Stimmung zusammen, weit weg von dem bloßem Handwerk eines Bildhauers, Malers oder Architekten. Man betrachtet das unmittelbar Sichtbare und bringt es in Verbindung mit anderen Anschauungen, denn der Künstler führt uns seine Welt so vor Augen, wie wir sie potentiell in uns tragen, aber oftmals nicht sehen können, weil unsere Sehkonventionen dies nicht zulassen. 

Lorena Herrera Rashid "No One", 2013, Foto: Wilfried Petzi, courtesy Galerie Rüdiger Schöttle.

Lorena Herrera Rashids Installationen, die sich im Erdgeschoss der Galerie befinden, reflektieren verschiedene Aspekte des heutigen Zeitgeist, der von Massenmedien, Konsum, Künstlichkeit und Verschwendung geprägt ist. "No One" ( 2013), zum Beispiel, scheint ein Mahnmal der Vergänglichkeit der uns umgebenden Sucht nach Schönheit und Jugend zu sein. Eine formvollendete, fast perfekte Rose, befindet sich in einer mit einer Flüssigkeit gefüllten und verschlossenen Glaskugel. Zwei Hände rahmen die Kugel ein. Es ist nicht zu erkennen, ob von ihnen Gefahr ausgeht - das Schwarze an den Fingern wirkt bedrohlich und grob, ob sie etwas heraufbeschwören, oder ob sie die Rose beschützen, denn hierfür spricht die fast zärtlich anmutende Haltung der Hände. Die Blätter der Blüte haben längst ihre Farbe verloren, was ihre Zerbrechlichkeit betont und ihre Vergänglichkeit ankündigt.  Als Memento Mori ist sie auf einem weißen Sockel, für jedermann gut sichtbar, aufgebahrt. Doch diese Arbeit ist mehr, als nur künstlerisches Motiv, mehr als nur Darstellung eines die Vergänglichkeit symbolisierenden Objektes, denn die Anwesenheit der die Vase umfassenden Hände, deutet auf eine andauernde Handlung hin, die sich in die Zukunft erstreckt und damit Zeitlichkeit insgesamt in den Fokus setzt. 

Installationsansicht, Lorena Herrera Rashid, 2014, Foto: Wilfried Petzi, courtesy Galerie Rüdiger Schöttle.

"New Solutions I - IV" sind sich ähnelnde Plastiken, aus verschiedenen Materialien, wie Holz, Aluminium, Spiegel und Plastik. Der Titel weist eindeutig auf mögliche Lösungen. Für was, bleibt zunächst offen. Doch die verwendeten Spiegel deuten auf die Scheinhaftigkeit des Daseins, Eitelkeit und Schönheit und gleichzeitig auf die damit verbundene Irritation und Blendung, der wir unterliegen. Auch hier ist die menschliche Hand allgegenwärtig und erinnert den Betrachter daran, dass er ein Teil dieser "Auswege" seine könnte. Die Künstlerin möchte dem Betrachter den Spiegel vor Augen halten, um ihn durch ihre Arbeit mit  kritischen Denkanstößen zu konfrontieren. Ihre ungezwungene Auseinandersetzung mit unserer Gesellschaft ist wesentlicher Teil ihres Werkes und steht auch in dieser Ausstellung im Vordergrund.



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