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Ein Kunstblog für München







© Lorenz Straßl, Installationsansicht, courtesy Galerie Christine Mayer

Ein Spiegeltisch, zu einem Turm aufeinandergestellte Pokale, ein durchstoßener Koffer, aus dem es rot heraus quillt, ein Bottich mit einer undefinierbaren, rost-roten Masse und noch einige andere Kuriositäten befinden sich im Eingangsbereich der Galerie Christine Mayer. Erzählt uns hier die Installation des Münchner Künstlers, Lorenz Straßl eine Geschichte, oder handelt es sich um Attribute des menschlichen Verfalls, vielleicht sogar Seelenzustände? In jedem Fall stehen vor mir Skulpturen oder vielmehr Plastiken, die, geschaffen aus angesammelten Fundstücken und anderen Dingen des Alltags, mich zutiefst beunruhigen. Gleichzeitig glaube ich jedoch auch die Ironie der zusammen gefügten Objekte  zu erkennen: Die einzelnen Gebilde sind seltsam - fantastisch, bis ins Groteske überzogen und fügen sich dennoch zu einer sinnvollen, in sich stimmigen Ganzheit zusammen.

Neben dieser raumfüllenden Installation sind weitere schrein - oder reliefartige Assemblagen und eine Dia Projektion zu sehen. Letztere ist eine Arbeit von 41 Kleinbild-Dias, die in einem abgedunkelten Raum  gezeigt werden. Jede Abbildung entsteht indem Lorenz Straßl kulissenhaft einen Raum, eine Ecke oder Nische in seinem Atelier baut und gestaltet, sie mit angesammelten Fundstücken ausstattet und dann ablichtet. Die Kamera ist dabei von Anfang an in Position, damit Bildkomposition und -Ausschnitt stimmen. Alles ist bis in Detail inszeniert. Nach der jeweiligen Aufnahme wird die so entstandene Installation wieder abgebaut, um etwas Neues entstehen zu lassen. Endprodukt dieses Prozesses ist allein das zwei-dimensionale Bild.1

© Lorenz Straßl, Diakarussel, courtesy Galerie Christine Mayer

© Lorenz Straßl, Diakarussel, courtesy Galerie Christine Mayer

Die so entstandenen und in der Projektion gezeigten schwarz-weißen Dias zeigen morbide Szenerien, Landschaften und Räume, verlassen von allem Lebendigen und Schönen. Es herrscht Endzeitstimmung und nicht einmal die Natur ist mehr vorhanden. Dennoch oder gerade deshalb haben die Dias eine besondere Ästhetik. Sie leuchten von sich heraus, sind ausdrucksstark, gleichzeitig zurückhaltend und delikat.

Lorenz Straßl ist ein Künstler, der weit mehr Aufmerksamkeit verdient, als ihm bisher  zuteil wurde. Seine Arbeit ist expressiv und geistreich. Sie ist lebendig und steckt voller Ironie. Noch bis zum 25.05.2013 sind die Werke in der Galerie Christine Mayer in München zu sehen.

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1 Lorenz Straßl im Gespräch mit Paul Huf, Quelle: www.earnestalgeron.de/node/149



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