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Ein Kunstblog für München







©Jennifer Keusgen & Raphael Krome, 2015.

Um die Frage des Status des Bildes als Medium der Repräsentation einer möglichen Wirklichkeit und dessen Umgang angesichts der immensen Bilderflut unserer Gegenwart, geht es bei der Gemeinschaftsarbeit von Jennifer Keusgen und Raphael Krome in der Centercourt Gallery in der Adalbertstraße in München unweit der Akademie. Unter dem Ausstellungstitel „∆t - placement of matter“ verwandelt sich die Galerie in eine photographisch-interaktive Installation; der Besucher ist Akteur und sein nur wenige Sekunden auf einer Leinwand verweilendes Abbild ist wesentlicher Bestandteil der Arbeit.

 

©Jennifer Keusgen & Raphael Krome, 2015.
 

Die Ausstellungsräume der Galerie sind verdunkelt. Innen sind die Wände mit einem phosphoreszierenden Stoff bezogen, der als Leinwand dient. In unterschiedlichen Zeitintervallen, die einem Zufallsalgorithmus folgen, wird eine Art fotografischer Mechanismus ausgelöst: Zwei UV-LED Strahler belichten in diesem Moment jeden Gegenstand oder Körper der sich zwischen der Lichtquelle und der Leinwand befindet und werfen sein schattenhaftes Abbild auf die nachleuchtende Leinwand. Je nachdem wie viele Objekte diese Lichtschranke in kurzen Abständen passieren, überlagern und vereinen sich die (Ab-)Bilder auf der Leinwand. Die phosphoreszierende oder auch nachleuchtende Eigenschaft des Stoffes dauert jedoch nur wenige Sekunden an und so verblassen die Bilder nach und nach, bis sie schließlich ganz verschwinden, um neuen Formen Platz zu machen. 

 
 
 
©Jennifer Keusgen & Raphael Krome, 2015.
 

Hinter diesem lumineszierenden Mechanismus steckt eine gewisse ästhetische Poesie. Die Bilder kommen und gehen, sie vereinigen sich, bilden neue Formen und verblassen wieder. Sie entwickeln ein Eigenleben indem sie sich verselbstständigen und ihrem Original aus der Hand gleiten. Obwohl nur Wiedergabe einer uns auf den ersten Blick nicht offensichtlichen Realität, sind sie real. Angelehnt an Platons Höhlengleichniss spielen Jennifer Keusgen und Raphael Krome mit der "platonischen Urangst vor der Konfrontation mit dem unkontrollierbaren (Ab)bild".

 

 
 
©Jennifer Keusgen & Raphael Krome, 2015.
 

Gleichzeitig wird das Medium der Fotografie ad absurdum geführt in dem die Künstler "den Moment der Konservierung des Augenblicks durch dessen kontinuierliches Verschwinden" ersetzten. "Durch die Unmöglichkeit der permanenten Fixierung der Negative auf der Leinwand setzen sie an die Stelle des Originals eine Flut an originären Bildern, die ihren Status als authentische materielle Realisate mit jedem Verschwinden konterkarieren".

 
 
 
©Jennifer Keusgen & Raphael Krome, 2015.
 

Mit dem Titel "∆t - placement of matter" weisen die beiden Künstler bereits auf die Ungleichheit von Wirklichkeit und Abbild hin. Während  in der Astronomie Delta T die Differenz zwischen terrestrischer und universeller Zeit bedeutet (erstere ist an die Erdrotation gebunden und wird jedes Jahr angepasst), steht der Ausdruck hier als "Metapher für den unsicheren Status des Bildes in seiner Funktion als vermeintlich gesichertes Abbild einer Realität".

 

 
(Zitate: Rosali Wiesheu: Pressetext.)

 
 


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