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Ein Kunstblog für München








"Anlage" 2017, ©Frank Balve.

Schon einmal habe ich auf kunstblog-muenchen über eine Arbeit von Frank Balve geschrieben: Im Herbst 2013 war es „Cluster“ in der Galerie der Künstler, die mich zum Staunen brachte. Sie bestand aus 63 zellenartigen Räumen, die sich in dem abgedunkelten Gewölbe der Galerie der Künstler verteilten. Ich wußte bereits damals, dass man den Namen dieses Künstlers noch häufig hören würde und so war es auch.


"Anlage" 2017, ©Frank Balve.

Seine Zeit an der Akademie der Bildenden Künste hat Frank Balve nun im Rahmen der Diplomausstellung 2017 mit der zweiteiligen Arbeit „Anlage“ und „Kabine III“ beendet. Noch stehen die Kreuzfelder des Werkes „Anlage“ vor der Akademie: rechts und links des Zugangs zum Altbau der Akademie befinden sich zwei etwa gleich große eingezäunte Bereiche mit weissen Kreuzen. Ein hoher schwarzer Maschendrahtzaun trennt sie von ihrer Umgebung so dass der Betrachter aussen vor bleibt. Ihm bieten sich die weissen Flächen der Kreuze als Projektionsfläche. Denn obwohl die vordergründige Symbolik der Arbeit für einen kurzen Moment die Richtung weist, hemmt der ein wenig bedrohlich wirkende Zaun und die unmittelbare Umgebung die Assoziation mit einem Gräbermeer. 

Im Gespräch mit Frank Balve erweist sich mein Eindruck als richtig. Statt von einem Friedhof spricht er von einem Feld mit weissen Holzkreuzen, von einem Rückzugsort. Für was oder wen bleibt offen. 


Diplom 2017, Frank Balve "Kabine III", ©Killian Blees.

Der zweite Teil der Abschlussarbeit von Frank Balve nennt sich „Kabine III“ und ist leider nicht mehr öffentlich einsehbar. Es handelt sich um eine raumgreifende Kapelle aus gehäckseltem Papierzellstoff, der in mehreren Lagen auf eine Trägerform aufgesprüht wurde. Wie die Kreuze, ist auch die Kapelle strahlend weiss und mit demselben schwarzen Maschendrahtzaun umzäunt. Doch dieses Mal befindet sich der Betrachter innerhalb der Absperrung sobald er den Raum betritt und die Türe hinter sich schließt. Drei weisse Bänke aus recycelten Grabsteinen laden den Besucher zum Verweilen ein.

Eine kleine Wegkapelle des Münchner Nordfriedhofs diente dem Künstler als Vorlage für diese Arbeit. Die Proportionen und Details des Nachbaus sind jedoch dem Raum der Akademie angepasst und lassen insofern keine weiteren Rückschlüsse auf die Münchner Kapelle zu. 


"Kabine III", 2017, ©Frank Balve.

Im Inneren der Kapelle, welche man nicht betreten kann, befinden sich 6 schmale Bänke und eine Altar der aus einem weissen Leuchtkasten auf einem Sockel und einem großen, dominanten Kreuz besteht. Durch die Abstrahierung des kirchenartigen Gebäudes sowohl in Material, als auch in der Farbe und der Reduktion der Versatzstücke findet auch hier eine Bereinigung der aufgeladenen Symbolik statt.  Ähnlich einer tabula rasa  ist der Betrachter frei seine eigenen Sinnbilder zu kreieren und auf die bereinigten Flächen zu projizieren. 

Frank Balve schafft Rückzugsorte, die dem Betrachter eine körperliche und mentale Auseinandersetzung abverlangen. Er spielt mit Inhalten indem er Äusserlichkeiten verändert und Formen abstrahiert, um neuen Kontexten Raum zu geben. Bei alldem kommt die Ästhetik in seiner Arbeit nie zu kurz.


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