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Ein Kunstblog für München







Am Dienstag, den 08. April findet ab 19 Uhr die Eröffnung Preisverleihung der Debütantenausstellung 2014 im Vestibül des Altbaus, in der Akademie der Bildenden Künste in München statt. Zu den diesjährigen Debütanten gehören:

Louisa Abdelkader (geb. 1986) / Klasse Prof. Albert Hien:

© Louisa Abdelkader, courtesy AdBK München 2014.

Ein wesentlicher Teil der Arbeiten von Louisa Abdelkader widmet sich der Reflexion des Betriebes und der Produktionsbedingungen gegenwärtiger Kunst selbst, die sie – ausgestattet mit der Freiheit des „Homo Ludens“ – hinterfragt.

In ihren Installationen reagiert die Künstlerin auf die Eigenart konkreter Orte, die in material- aufwendigen Eingriffen verwandelt werden. Dabei entstehen raumgreifende Bilder, die den Betrachter umfangen und durch ihre semantische Offenheit einen Spielplatz der Imagination anbieten. Soziale Räume, die dem zweckrationalen Alltagsbetrieb der Gesellschaft enthoben sind, dienen dabei als gegenständliche Referenz der Großarrangements: der Zirkus, der Zoo, das Volksfest. Kennzeichnend ist zudem die Verwendung industrieller Materialien, die ihrer Zweckdienlichkeit beraubt werden und als Bildelemente eine neue Identität erhalten. 

In ihren jüngsten Arbeiten wird mit Schaumstoff ein Material zum visuellen Protagonisten, das für die funktionale Unsichtbarkeit entwickelt worden ist. Dabei setzt Louisa Abdelkader eine Alchemie des Lichts ins Werk, die den rohen Werkstoff zu einem veränderlichen Farbteppich reagieren lässt. 

Die aktuellen Installationen dienen zudem als Kulisse für Filmsequenzen, in denen die Künstlerin mit der von ihr geschaffenen Umgebung interagiert. Diese rekursive Spirale von Arbeitsresultaten, die wiederum in neue Arbeiten einfließen, entspricht ganz der offenen und komplexen Vorgehensweise der Künstlerin, die vielfältige Medien miteinander verschränkt und verschiedene künstlerische Strategien geschickt verkettet. (Andreas Woller) 

 

Lisiena Arifi (geb. 1988) / Klasse Prof. Peter Kogler:

 © Lisiena Arifi, courtesy: AdBK München 2014.

Lisiena Arifi wächst in der bayerischen Oberpfalz auf und wird früh als künstlerisches Talent entdeckt. Später beginnt sie mitten im Malereistudium mit selbst geschriebenen Songs Konzerte zu geben. 2012 erscheint das Debütalbum “My Baby Killed The Color And I'll Paint Again”. Sie malt, stellt aus, spielt live, gibt Festivalkonzerte, tourt und studiert Kunst. Lisiena macht 'Musik für kunstaffines Publikum' schreibt der Bayerische Rundfunk über den Newcomer. 

Lisiena Arifi gründet 2013 ihr eigenes Label und bringt daraufhin das zweite Album 'Dynamite'.

Das Mädchen mit den rosa aufgetürmten Haaren erschafft eine Popfigur. Diese Popfigur braucht einen adäquaten Rahmen. Dies zelebriert sie in ihrem Werk 'LisienaToGo' weiter. Die Installation, Projektionen auf Vellum - Papier, umwerben die Popfigur Lisiena, die ihre 'White Party' zur Spitzte treibt. Fetzen aus dem aktuellen Musikvideo blitzen hervor. Münchens Punk Barbie steht zwischen den Papierbahnen und performt live. 

 

Hannah Ballhaus-Brinkies (geb. 1982) / Klasse ehem. Prof. Günther Förg:

© Hannah Ballhaus-Brinkies, courtesy AdBK München 2014.

Schon zu Beginn ihres Studiums an der Akademie konzentrierte sich Hannah Ballhaus- Brinkies auf Zeichnungen in kleineren Papierformaten, abstrakte Formen und wiederkehrende Strukturen. Indessen experimentierte sie auch mit Malerei und mit Druckverfahren wie Radierung und Siebdruck auf großen Formaten, kehrte jedoch immer wieder zur Zeichnung zurück. Anfänglich noch sehr reduziert auf Form und Fläche, arbeitete sie hauptsächlich mit schwarzer Tusche.

Seit etwa zwei Jahren entwickelt sie Farbsysteme, die im Rhythmus der Formen mit Tusche und Acryl auf Papier (50cm x 70cm) gebracht werden. Ihre Bilder entstehen situativ in einer Dialektik von Intuition und Imagination: Formen verschmelzen, verbinden sich, Formen wachsen, drängen an die Kanten. Hannah Ballhaus-Brinkies bezieht sich auf einfache, meist geometrische Grundstrukturen, die sich ständig im Wandel befinden. Der serielle Charakter ist dabei sehr wichtig. Die entstehenden Ordnungen mit ihren eigenen Gesetzmäßigkeiten stellen verschiedene Aggregatzustände dar.

Die Bilder von Hannah Ballhaus-Brinkies entziehen sich einer eindeutigen Interpretation. Sie vollenden sich erst im Betrachter, wo die Formen und Farben einen Widerhall geben und immer wieder neue Assoziationen auslösen.

 

Jonathan Drews (geb. 1985) / Klasse Prof. Jean- Marc Bustamante:

© Jonathan Drews, courtesy AdBK München 2014.

Die Landschaftsbilder von Jonathan Drews werden mit Acrylfarbe auf Aluminiumbildträger gemalt. Diese Aluminiumbildträger sind Einzelanfertigungen aus eloxiertem Aluminium die vom Künstler in Auftrag gegeben werden. Jonathan Drews empfindet die Auswahl aller Bildteile als gleichbedeutend für seine Arbeit. Bildträger, Landschaftsmotiv und das Material der Farbe werden mit konzeptueller Sorgfalt im Hinblick auf eine stimmige Gesamtkomposition gewählt. Hinter dieser Wahl steht die Frage, wie es möglich ist, die lange kunstgeschichtliche Tradition des Landschaftsmotivs durch eine erkennbar neue und zeitgenössische Bildfindung in der Gegenwart fortleben zu lassen. 

Aluminium konnte erst durch die industrielle Fertigung als Bildträger verfügbar werden und wird damit Ausdruck des modernen industriell geprägten Zeitalters. Das Aluminium wird in eine bestimmte Form gefalzt, die der Leinwand, dem klassischen Bildträger, nachempfunden ist und knüpft so an die westliche Bildtradition an. 

Bei dem teilweise langwierigen Prozess von Farbauftrag und Auslöschung, der auf jedem Bildträger oft dutzendfach vollzogen wird bevor sich nach und nach eine gelungene malerische Komposition abzeichnet, werden Überreste und Flecken, die nicht ganz ausgelöscht werden konnten, zu assoziativen bildlichen Reizen, die ein intuitives Weiterarbeiten des Künstlers ermöglichen. 

Somit wird der Malakt zu einem Spiel mit der eigenen Wahrnehmung. Die Bilder entstehen nie nach Vorlagen sondern nur in der freien Assoziation der Sinneskräfte gleichsam in einem konstruktiven Erinnerungs- und Schöpfungsakt ohne weitere Voraussetzungen.

Das wieder freigekratzte Aluminium tritt im Naturmotiv als Zeuge eines industriellen Zeitalters hervor und steht auf diese Weise gleichzeitig in der Harmonie des Bildgefüges der Landschaft und ebenso subtil als industrielles menschliches Kulturprodukt „gegen“ die Natur. Gleichzeitig entsteht ein postmoderner malerischer Kommentar auf die kunstgeschichtliche Tradition der Landschaftsmalerei. 

 

Fabian Feichter (geb. 1986) / Klasse Prof. Olaf Metzel:

© Fabian Feichter, courtesy AdBK München 2014.

Im Werk von Fabian Feichter ist der menschliche Körper, der zugleich Subjekt und Objekt seines künstlerischen Schaffens ist, das zentrale Thema. In den Videoarbeiten wird der Körper des Künstlers selbst zum Hauptdarsteller. Dabei werden sowohl die physischen Grenzen als auch die psychische Widerstandsfähigkeit ausgelotet und auf die Probe gestellt. Die tiefgründige Auseinandersetzung mit der menschlichen Anatomie und Bewegung ist auf Feichters Ausbildung als Bildhauer zurückzuführen. 

Beim Betrachten seiner Videos kann man leicht erkennen, dass er, trotz der Neuausrichtung der künstlerischen Ausdrucksmittel, dem bildhauerischen Ansatz treu geblieben ist. So wird der menschliche Körper zu einem Mittel, um Untersuchungen und Experimente anzustellen. Anders als bei der traditionellen Skulptur verliert aber Feichters Arbeit seine materielle Komponente und der Körper selbst – des Künstlers, aber auch anderer Darsteller – wird zu einem Schauobjekt. Durch den lebendigen Körper des Künstlers, der zur Bühne für die einfachen Handlungen im Alltag und zum politischen Ort wird, werden tiefgründige Fragen über Leben und Tod aufgeworfen. (Katy Moling) 

 

Tim Freiwald ( geb. 1986) / Klasse ehem. Prof. Jerry Zeniuk:

© Tim Freiwald, courtesy AdBK München 2014.

Zeitlichkeit ist ein zentrales Thema in Tim Freiwalds Bildern. In vielfachen Bearbeitungsschritten werden Farbschichten übereinander aufgetragen. Dabei folgt er keinerlinearen Logik, sondern zum langsamen Wachsen des Bildes gehört es auch, Schritte zurück zu gehen. Aufgetragene Schichten werden übermalt und wieder abgeschliffen. Die Bildträger werden zerschnitten, zerbrochen, zerstört und wieder neu zusammengesetzt. Hinzufügen, revidieren, wieder voranschreiten, wiederholen und reduzieren auf das Wesentliche – im Bewusstsein des Prozesses, der das Kondensat erst ermöglicht. 

Diese Struktur des Malvorgangs wird zu einer Metapher für die Struktur des menschlichen Denkprozesses. Im Mittelpunkt stehen weder das dargebotene Motiv noch eine Erzählung, sondern das Bild als sinnliches Objekt mit seiner erahnbaren Entstehungsgeschichte.

Tim Freiwald öffnet das Tafelbild zur Wand hin und vermittelt dem etrachter damit eine Vorstellung von Weite, von Helligkeit und Licht. Die innerhalb der Bildkomposition korrespondierenden Kräfte stehen der Grenzenlosigkeit der weißen Wand gegenüber.

„Was ist ein Bild, was kann es sein, fragt Tim Freiwald [...] und schreitet mit seinen Arbeiten einen Möglichkeitshorizont ab, spielt mögliche Antworten durch, beginnend mit Fläche und Farbe. [...] Wenn der Bildträger keine exakt zu benennende Fläche mehr ist, wird das Bild vollends zum autonomen Objekt. Hiermit schreibt sich Tim Freiwald in eine Tradition des Abstrakten Expressionismus ein, die Frank Stella begründet hat, nimmt jedoch eine Abzweigung, die zu einer ihm eigenen Bildsprache führt: Er erweitert das Prinzip des Shaped Canvas als einer homogenen, aber nicht mehr auf Geometrie basierenden Bildform so, dass durch Ausschnitte, Zerteilung und Neuzusammensetzung des Bildgrundes Formen entstehen, die Teile der Wand freigeben und so die Wand selbst zum konstitutiven Bildelement machen.“ (Bettina Blumenberg „Der Weg ins Weite", zu den Arbeiten von Tim Freiwald) 

 

Matthias Glas (geb. 1986)  / Klasse Prof. Olaf Metzel Debütantenförderung:

© Matthias Glas, courtesy AdBK München 2014.

Das Künstlerbuch „Die Chronologie der Zelle“ beinhaltet eine Auswahl der in den letzten 6 Jahren entstandenen Arbeiten und bildet einen abschlie enden Roten Faden. Die nachfolgenden Textfragmente sind Ausschnitte aus einzelnen Kapiteln und fassen die unterschiedlichen Arbeitsprozesse zusammen: 

FaktorenRegeln edingungenRaumMaterialRegelsystemplastischenArbeitEntstehungsbeding ungenErscheinungsform eschränkungMaterialvorratMaterialquellenUmsetzungsfähigkeitenA rbeitszeitenArbeitskleidungWiderstandEinschränkungenErfahrungFreiheitArbeitsprozess ich erheitarbeitenmüssenEinatmenDokumentedes chaffensTeilArbeitsprozessesMaterialVorgan gFormanreicherungMaterialFähigkeitTransformationMaterialFormLinie truktur kulpturaleK r perMasseWiederholungMengeMaterialisierungArbeitGegenstandWegAnreicherungIdeal ala nceFaktorenAnreicherungMaterialsTeilzyklischen chaffensEndeZwischenbilanzLuftanhalten DasEndealsZwischenbilanzAugenblickProzessTransformationFormZustandProzessDekonstr uktionFormZustandZustandUnterbrechungplastischenProzessesIdeal alanceRestzweckGeg enstandenFaktorenmateriellenGesetzlichkeitGeschwindigkeitZiellosigkeitAnreicherungsProz essesIdealGleichgewichtsZustandVollendungFeststellungvorläufigenTotalschadensAusatme nAbrissFormGesetzlichkeitenMaterialsZufallsKraftZerst rungEingriffeAngebotObjektsPrüfung MaterialsAbrissHandlungReduktionMasseFormProduktivitätProzessesRettungsversuchenRü ckbauAbgestaltungAktAbbruches eweis elbstständigkeitUnabhängigkeitObjekt ezugK rper sKraftskulpturalemGegenstand to atmungFragmenteundAbspaltungAbriss ruchstückeTeil GanzenGegenständlichkeitAbrissMaterialitätGegenständeReifungsprozessAbnabelungMutte rstück elbstständigkeitFragmenteKonzentratZusammenhangesAtemstilleMetamaterialMass eVolumenZustandMaterialFormeigenschaften eschaffenheitKomponentenZusammensetzung. 

Textfragmente aus „Die Chronologie der Zelle“ ( Leo Lencsés und Matthias Glas ), herausgegeben und gestaltet vom Verlag HAMMANN & VON MIER. Das Buch erscheint zur Debütantenausstellung. 

 

Philipp Gufler  (geb. 1989) / Klasse Prof. Peter Kogler:

© Philipp Gufler, courtesy AdBK München 2014.

Philipp Guflers Arbeit „Projektion auf die Krise (Gauweilereien in München)“ besteht aus drei Teilen - einer Videoinstallation, einem Siebdruck, der die Autoren der abgefilmten Objekte nennt, sowie einem Magazin (HAMMANN & VONMIER Verlag). Der Künstler gewährt mit seinem Werk einen kaleidoskopartigen Rückblick auf die Anfänge der AIDS-Krise in München in den 1980er Jahren. Die Videoarbeit versetzt den Betrachter in einen klassischen „White Cube“, in welchem Gufler aus dem Archiv Forum Homosexualität München e.V. zusammengetragene Dokumente in chronologischer Reihenfolge präsentiert und sie durch aktuelle Arbeiten befreundeter Künstler ergänzt. Dabei scheint es bemerkenswert, dass die Ausstellung nur für den Moment der Filmaufnahmen konzipiert wurde und somit lediglich im virtuellen Raum existiert. Man kann dieses Spiel des Künstlers mit verschiedenen Repräsentationsebenen durchaus als Problematisierung im Umgang mit Homosexualität und Geschichte verstehen. Die Plakate, Kunstwerke, Zeitungs- sowie Fernsehausschnitte, die zum Teil auch in dem Begleitmagazin zu finden sind, werden von der Kamera in einer fließenden Bewegung erfasst und offenbaren eine Diskussion über Sexualität, Liebe, Moral und Tod, wie wir sie auch heutzutage fast unverändert in den Medien erleben (z.B. Bildungsplandebatte). Peter Gauweiler ( bayerischer Staatssekretär) wie auch Hans Zehetmair, der damalige Kultusminister Bayerns, beantworten das Auftauchen der AIDS- Seuche mit ebenso drastischen wie schockierenden Vorschlägen. Nicht etwa die Prävention der Krankheit steht im Vordergrund von Gauweilers Maßnahmenkatalog sowie Zehetmairs Rhetorik, sondern die Ausgrenzung und letztlich die Ausl schung des „Keimträgers“, sprich des Homosexuellen. Diesen homophoben Ressentiments stellt Gufler die emanzipatorischen Schlachtrufe der Münchner Schwulen- und Lesbenbewegung entgegen und zeichnet somit ein oszillierendes Bild Münchner und zugleich deutscher Geschichte. (Nicholas Maniu) 


Veronika Hilger (geb. 1981) / Klasse Prof. Jean–Marc Bustamante:
 
© Veronika Hilger, cortesy AdBK München 2014.
 

Zentral in den Arbeiten von Veronika Hilger ist die Auseinandersetzung mit der Malerei an sich und dem Landschaftssujet im Besonderen. Den Ausgangspunkt für ihre Bilder und Skulpturen bildet dabei selten eine reale, wirklich gesehene Landschaft. Vielmehr entstehen diese auf der Basis eines inneren Bildes und werden im Arbeitsprozess weiter modifiziert.

Dabei entstehen eigenartige, oft surreal anmutende Bildwelten, die weniger als idyllisches Gegenbild zur Welt formuliert sind, sondern mehr die radikale Umformung der Landschaft durch den Menschen reflektieren. In stilllebenhaften Arrangements von Landschaftselementen manifestiert sich die Künstlichkeit der uns umgebenden Landschaftsstrukturen. 

 

Anne Kodura (geb. 1987) / Klasse Prof. Klaus vom Bruch:
 
© Anne Kodura, courtesy AdBK MÜnchen 2014.
 

Der Dokumentarfilm „ÖDLAND - Damit keiner das so mitbemerkt“ (79 Minuten, zusammen mit Friede Clausz) „erzählt in bestechend schönen Bildern und mit den Worten von Kindern, wie es sich anfühlt, Flüchtling zwischen den Welten zu sein.“ (63. Berlinale - Generation) Es sind Sommerferien. Inmitten von Wäldern und ein paar Schafweiden steht ein Wohnblock auf ehemaligem Kasernengelände der sowjetischen Armee. Umringt von verfallenen Baracken, verrotteten Soldatenfresken, einem verwilderten Fußballplatz und einem nagelneuen Maschendrahtzaun. Hier wachsen Aya, Momo und Mustafa auf. Sie verbringen die Ferien zu Hause im Asylbewerberheim. In Deutschland aufgewachsen, verstehen sie das mit dem „Asyl“ nicht so richtig und wollen eigentlich ganz normal sein. ie vertreiben sich die Langeweile mit Fußball, machen einen Ausflug zum nahe gelegenen See und versuchen sich im Kupferschrotthandel. Eine Geschichte von Kindheit, Heimat und der Suche nach Identität.

Anne Koduras Arbeiten beschäftigen sich hauptsächlich, oft ausgehend von einem speziellen Ort, mit Seelenlandschaften. 


Sarah Lehnerer (geb. 1987) / Klasse Prof. Stephan Huber:

© Sarah Lehnerer, courtesy AdBK München 2014.
 

Als Bildhauerin geht Sarah Lehnerer die Bildfrage nicht von der Oberfläche her an, sondern über die Materialität des ildes. Die Fragen nach einer truktur der ildlichkeit, einer Semantik des ichtbaren, gehen in ihrer künstlerischen Umsetzung ganz im Material auf. Denn die Unfassbarkeit der Medienbilder ist vor allem ein Problem der Fixierung - ein Problem der symbolischen Rahmung und die Konzentration auf die Materialität dieser Bilder ist ein Versuch ihre Durchlässigkeit einzufangen. 

Ihre Arbeit spiegelt diese Thematik auf eine sehr subjektive und persönliche Weise. So ist das Buch o.T. (Festplatte, 2014) das materialisierte ildarchiv der Künstlerin der letzten Jahre (die Dauer des Kunststudiums). Es zeigt auf über 2 0 eiten das visuelle „Roh- Material“ der künstlerischen Produktion und zieht damit einen roten Faden durch eine spezifisch entwickelte Ästhetik. In einer traditionellen, materialisierten Form werden die Datensätze hier linear nachvollziehbar und einer externalisierten Lesart freigegeben.

Teaser, 2014 ist, gleichbedeutend seinem Titel, ein Aufhänger, ein virtuelles Pondon zum Bilder-Buch und markiert als Gedankenskizze den poetischen Spielraum zwischen Materialität und Virtualität. Denn das „ ild als Fenster“ ist für Lehnerer kein ild im inne des repräsentativen Kunstwerkes, keine Vergegenwärtigung des Abwesenden, sondern stellt die Frage nach dem Immateriellen im Physischen und zeigt darin eine poetische Potentialität aller Medienbilder. (Leo Lences) 

 

Elisabeth Wieser (1986) / Klasse Prof. Markus Oehlen:
 
© Elisabeth Wieser, courtesy AdBK München 2014.
 

In Skulpturen, Collagen, Zeichnungen und Filmen schafft Elisabeth Wieser bühnenartige Räume, die oftmals an klaustrophobische Zufluchtsorte erinnern. Die architektonischen Situationen entziehen sich einer klaren Zuordnung: Aus dem Alltag vertraute Elemente wirken in ihrer neuen Zusammensetzung fremd und irritierend, die Funktion der Orte rätselhaft. Während menschliche Spuren das Theater im Kopf des Betrachters lostreten und dieser sich in Gedanken in die Leerstellen einfühlt, resultieren die Abwesenheit der Protagonisten und die schattenhaften Kompositionen in einer beklemmenden Unruhe. Die Dinge sind nicht was sie zu sein scheinen: die Arbeiten sind bedrohlich, ihre Strukturen enthüllen sich nicht von selbst und lassen keine Klärung zu. 

Das architektonische Element der Schwelle mit ihrer Thematik des Innen-Außen ist ein wiederkehrendes Motiv in Wiesers Arbeit: Treppen, Fenster und Durchgänge fungieren als Grenze, aber auch als Verbindung unterschiedlicher Gefüge. Gleichzeitig scheint auch das Moment der Liminalität - der Schwellenerfahrung - von Bedeutung zu sein: Das Gefühl das Gesehene nicht greifen zu können und in einem konfliktreichen Schwebezustand zu verharren, zahlt sich auf einer Ebene subtil verwirrender Stimmungen aus.

 

Sarah Zagefka (geb. 1977) / Klasse Prof. Karin Kneffel:
 
© Sarah Zagefka, courtesy AdBK München 2014.
 

Sarah Zagefka hat mit dem Malen von Interieurs 2006 begonnen. In der Zeit des Studiums hat sie mit den Möglichkeiten der Farbe experimentiert, und ihre Maltechnik verfeinert, aber der Gegenstand ihres Interesses hat sich eigentlich nicht im Wesentlichen verändert. Es gilt den Menschen und der Suche nach den Spuren, die sie hinterlassen. 

Natürlich wird der Mensch durch sein Äußeres bestimmt, jedoch ist für das Begreifen seiner gesamten Persönlichkeit sein Inneres Wesen von entscheidender Bedeutung, welches sich allein in seiner Umgebung widerspiegeln kann bzw. dort überhaupt erst sichtbar wird.

Aus diesem Grund beschäftigt sich Sarah Zagefka in ihrer Malerei mit der präzisen Wiedergabe von Wohnsituationen und urbanem Raum. Der Malprozess fordert ein genaues Nachempfinden, nicht nur von den Strukturen und Beschaffenheiten der Dinge, die abgebildet werden, sondern auch von der vorherrschenden Atmosphäre oder Stimmung. Durch eine akribische, detailgetreue Abbildung der Situation entwirft Zagefka im Gegenzug ein anderes ungenaueres Bild: das Bild eines Menschen (oder einer Personengruppe), der (oder die) durch die Betrachtung und Beobachtung der Gemälde zum Leben erweckt werden kann. 

Sarah Zagefka lädt den Betrachter ein, ihrem Blick zu folgen und die Räume zu erkunden. Was dann entsteht, ist ein Portrait. Das Portrait eines Menschen, der nicht, wie so oft, durch sein äußeres Erscheinungsbild bestimmt ist, sondern sich selber aus seiner eigenen Umgebung heraus definiert. 


(Quelle: Pressetext der Akademie der Bildenden Künste München)


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