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Ein Kunstblog für München







 

(Bild wurde entfernt aufgrund Rechte der VG Bild-Kunst)

"Benrather Schloss Düsseldorf IV 2011", © Candida Höfer, Köln/VG Bild-Kunst, Bonn 2014.

Selbstportraits und abstrakte Fotografie von Candida Höfer? Zu sehen gibt es dies noch bis zum 31. Juli in der Galerie Rüdiger Schöttle. Kennt man die Künstlerin sonst vor allem wegen ihrer großformatigen und detailreichen Aufnahmen theatraler Prunkräume, so wird man hier von ihren neueren, fast abstrakten Fotographien, sowie den Selbstportraits aus den 70er Jahren durchaus positiv überrascht sein.  

 

(Bild wurde entfernt aufgrund Rechte der VG Bild-Kunst)

Detail aus der Projektion Düsseldorf III 2012", © Candida Höfer, Köln/VG BIld-Kunst, Bonn 2014.

Die Aufnahmen der Künstlerin aus der Projektion "Düsseldorf III" stammen aus den 70er Jahren als Höfer an der Düsseldorfer Akademie studierte. In den Spiegelungen verschiedener Schaufenster erkennt man die Künstlerin selbst, immer mit dem Finger am Auslöser ihrer Kamera. Auch hier sind es Räume, die sie fotografiert. Und bei genauerer Betrachtung deutet sich ihr distanzierter, objektiver und kühler Blick durch die Kamera bereits hier an. Die Glasscheiben gewähren den Einblick in den Innenraum, der später für die Künstlerin so wichtig werden wird. Doch in diesen frühen Arbeiten ist es nicht der Raum als strukturelle Einheit, der die Künstlerin interessiert. Die abgebildeten Räume wirken verschwommen; die Grenzen zwischen Innen und Aussen sind fließend, da die Glasscheiben  des Schaufensters nicht nur als Barriere sondern auch als Spiegel dienen. Durch die Reflexionen der Aussenwelt sind diese Aufnahmen von gewissen Zufälligkeiten und Unbestimmtheiten geprägt und die in späteren Fotografien dominierende, klar strukturierte und von diagonalen Achsen geprägte Ansicht ist in diesen Selbstportraits alles andere als erkennbar. 

 

(Bild wurde entfernt aufgrund Rechte der VG Bild-Kunst)

"Deutsche Oper am Rhein Düsseldorf I 2012", © Candida Höfer, Köln/VG Bild-Kunst, Bonn 2014.

Der Einfluss ihrer Lehrer, Bernd und Hilla Becher, ist in erster Linie in den bekannteren Arbeiten Höfers zu erkennen. Dokumentarische Aufnahmen bürgerlicher Kulturtempel, menschenleer und skulpturartig stilisiert, fehlen in der Ausstellung der Galerie Schöttle keinesfalls: Die Abbildungen eines Saals des Benrather Schlosses in Düsseldorf, oder des Zuschauerraums der Deutschen Oper am Rhein stehen stellvertretend für die konzeptuellen Raumaufnahmen, für die die Künstlerin bekannt wurde. Diese Arbeiten  bestechen vor allem durch den Detailreichtum, die Achsensymmetrie und Zentralperspektive. Hier sind es nicht die einzelnen Gegenstände die herausragen, sondern andere Details, wie die Struktur des Raums, das Licht oder auch die jeweilige Farbe. 

Neu und für Höfer bisher einzigartig sind jedoch die abstrakten Fotografien aus den letzten Jahren. Hier verbindet sie nur noch Licht mit Form. Heraus kommt dabei etwas Wundersames:

 

(Bild wurde entfernt aufgrund Rechte der VG Bild-Kunst)

"Neuer Stahlhof Düsseldorf I 2012", © Candida Höfer, Köln/VG Bild-Kunst, Bonn 2014.

"Neuer Stahlhof Düsseldorf I, 2012" ist eines dieser Werke. Es handelt sich um das Gelände des Treppenhauses, von unten nach oben fotografiert und durch die starke Überbelichtung reduziert auf Licht, Schatten und eine spiralförmige Struktur, die sich in ein schier unendliches Nichts schraubt. Statt Ordnung herrscht Orientierungslosigkeit und an Stelle von Struktur steht Gestaltlosigkeit. Die Perspektive ist kaum erkennbar und Details sind, ausser am Geländer selbst, nicht vorhanden. Diese Fotografie ist wohl die weitgehendste Abstraktion in Höfers Werk bisher. 

 

 

(Bild wurde entfernt aufgrund Rechte der VG Bild-Kunst)

Installationsansicht Candida Höfer Düsseldorf, Galerie R. Schöttle, Foto: Wilfried Petzi, © Candida Höfer, Köln/VG Bild-Kunst, Bonn 2014.

Es scheint, die Künstlerin experimentiert in den letzten Jahren mehr mit der Bedeutung und Wahrnehmung des Details eines Innenraums, statt dessen Struktur und Ordnung. In der Isolation des Details, der Nachbearbeitung  der Helligkeit und im Print entsteht nicht nur die Abstraktion sondern es verändert die Ansicht. Was vorher im Raum vielleicht gar nicht erkennbar war, entwickelt sich durch die Arbeit der Künstlerin zu etwas Neuem. Die Erkenntnis, dass Wahrnehmung individuell und gestaltbar ist, ist alles andere als revolutionär. Dass Candida Höfer hiermit experimentiert jedoch schon. Umso mehr kann man also auf Candida Höfers weiteres Werk gespannt sein. 


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