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Ein Kunstblog für München







Die Diplomanden der Akademie der Bildenden Künste in München präsentieren seit gestern ihre Abschlußarbeiten. Den Münchner Kunstinteressierten wird hier Gelegenheit gegeben, bis Sonntag an die 100 Arbeiten in den Räumen und Ateliers der Akademie zu bewundern. Frischere Kunst als hier, sieht man wohl nur selten. Provokantes und Niegesehenes ist leider, wie auch anderswo, rar. Doch es gibt interessante Ansätze, spannende Einblicke und vielversprechende Perspektiven. Meine Auswahl der Arbeiten ist natürlich subjektiv und soll auch nur als Anreiz für einen Besuch, der sich in jedem Fall lohnt, dienen:

 

©Gabi Blum (Klasse Prof. Huber), Foto Felix Hörhager:

"Room without a view / Touch Hopper" von Gabi Blum ist eine Installation mit Performance und Video-Livestream. Die nackte Frau im Sessel ist die Künstlerin selbst. Wie vor einem Bild steht der Betrachter und merkt nur allmählich, dass es sich hier nicht um ein Gemälde oder eine Fotografie handelt, sondern dass die Protagonistin sich bewegt, lebendig ist und den weiblichen Akt im Bild performt. Das Bild selbst ist eine Projektion des nachgestellten Portraits "Eleven a.m." von Edward Hopper aus dem Jahre 1926, in dem die Künstlerin den Akt "Re-aktiviert".

 

©Tobias Ollert (Klasse Prof. Pitz):

Die Arbeit des Künstlers muss man betreten: Durch einen vollkommen abgedunkelten Gang, in dem man sich vortastet, gelangt der Besucher in einen Raum, in welchem auf Augenhöhe, wie schwerelos ein Lichtkegel schwebt. Sobald man auf diesen zugeht, verändert sich die Perspektive und man glaubt den Boden unter den Füßen zu verlieren. Ein wenig orientierungslos, bemerkt man, dass sich der Boden, auf dem man steht, um die zentrale Achse der Konstruktion dreht. Die Erfahrbarkeit des Raumes ist das vorherrschende Thema dieser Arbeit: erst durch Orientierung, Bewegung und Licht erlangt der Besucher seine Erkenntnis über den Raum, der ihn umgibt.

 


©Maximilian Biek (Klasse Prof. Huber):

"Die Braut aus Giesing - Eine Propellermaschine" ist ein Nachbau der "Spirit of St. Louis", mit der Charles Lindbergh 1927 den Atlantik überquerte. Die Arbeit wird begleitet von einem Video, in dem der Künstler fiktiv, auf einem abenteuerlichen Flug, die Alpen überfliegt. 

 

©Sandra Hauser (Klasse Prof. Huber):

Die Arbeit "Devi Morire Prima di Morire" ("Du musst sterben bevor dem Sterben")  - ein zweiteiliges Selbstporträt - ist eine Hommage an Caravaggio's "David mit dem Haupt des Goliath". Ein Foto und ein Video zeigen die Künstlerin, wie sie sich unendlich um sich selbst dreht und krampfhaft versucht die beiden antipodischen Egos in ihrer Brust zu vereinen. Vielleicht muss eines der Beiden sterben bevor sie sterben kann.Die Installation spielt mit Illusion und Desillusionierung. Ein Foto, das auf den ersten Blick wie ein Ölgemälde scheint und ein Video das scheinbar dessen Entstehung zeigt. Eine Inszenierung in der Inszenierung. (Text Sandra Hauser)

 

©Paul Hiller (Klasse Prof. vom Bruch):

"In Paul Hillers Installation "Loop" agieren drei sich drehende, leuchtende Würfel mit Fotografien von Vergnügungsparks als zentraler Bestandteil (...) Im Gegensatz zum gewohnten Betrachtungskontext einer Fotografie ist hier keine kontemplative Betrachtung des einzelnen Bildes möglich, man kann das Bild nur vorbeifahrend wahrnehmen. Dadurch zeigt sich zwar immer wieder ein neues Bild, letztendlich aber doch immer wieder dasselbe." (Text Jenni Siebert - in Auszügen.)

 


©Karol Montagna (Klasse Prof. Pitz):

In "Vicino al lago sotto la neve" beschäftigt sich die Künstlerin mit der Darstellung von organisch, pflanzlichen Formen in Papier. Von der Studienwerkstatt für Papier und Recycling im Untergeschoß der Akademie gelangt man zu einem Gartenhäuschen, in dem Karol Montagna eine schneeweiße Landschaft aus Papier installiert hat. Der Besucher darf sich einen Zweig, ein Blatt oder eine Blüte mitnehmen. Es handelt sich dabei um ein Tauschgeschäft, denn er ist aufgefordert diese Gabe abzugelten, indem er der Künstlerin ein Foto des Kunstwerkes in seiner neuen Umgebung zuschickt. Natürlich bin auch ich dieser Aufforderung nachgekommen.


©Eunah Hong (Klasse Prof. Doberauer), Foto: Felix Hörhager:

In ihren komplexen Gemälden geht es um die Beziehung von einzelnen, konkreten Dingen, bestimmten Situationen und unsichtbaren Vorgängen, die sich in der Realität abspielen. "Fight for your Right" thematisiert die persönliche Wahrnehmung der Gesellschaft der aus Süd-Korea stammenden Künstlerin.

 

©Florian Ecker (Klasse Prof. Nicolai):

Die Diplomarbeit von Florian Ecker untersucht Erscheinungen des Lichtes: Wie verhält sich das Licht im Raum, wie bricht es, wie wird es absorbiert, reflektiert, verdoppelt oder gespiegelt und wie verhält es sich in einer geschlossenen Glasvitrine? Es geht dem Künstler dabei allein um das natürliche Licht.  Da alle elektrischen Lichtquellen im Raum entfernt wurden, verändert sich die Erscheinungen des Lichtes je nach Tageszeit und Lichteinfall.

 

©Ben Goossens (Klasse Prof. Huber):

Ben Goossens Diplomarbeit ist eine Videoinstallation mit Sound. In einem abgedunkelten Zimmer läuft die Projektion eines nicht näher definierbaren Raumes, der so etwas wie ein Kellerabteil seien könnte: kahl und kalt und ein wenig morbide. Nacheinander füllt sich der Raum mit Wasser, mit Nebel oder anderen diffusen Substanzen, die mehr wabbern als fließen und ganz allmählich wieder verschwinden. Der dazu abgespielte Sound verstärkt die manchmal surreale, andere Male bedrohliche Stimmung der Arbeit. 


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