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Ein Kunstblog für München







 

"Some call it Mlada Laska", ©Asbjörn Jungnik, 2013.

Die Akademiegalerie im Untergeschoß der U-Bahnstation Universität ist hell erleuchtet und von außen sehr gut einsehbar: Deutlich mehr Passanten als gewöhnlich halten inne und verweilen vor dem Schaufenster der Galerie, denn man fühlt sich magisch angezogen von diesen merkwürdig klaren und gleichzeitig sehr intimen Fotografien von Asbjörn Jungnik. 

 


"Paul", ©Asbjörn Jungnik, 2013.

Sein Sujet sind junge Männer, die dem Idealbild des griechischen Jünglings entsprechen, so wie "Paul", der in Gedanken versunken und an einem Baumstamm lehnend, mit einem Farnhalm spielt. Sein athletischer Oberkörper ist entblößt und er trägt nichts weiter als eine kurze Sporthose, Tennisschuhe und bis ans Knie reichende Sportsocken. Während der dunkle Baumstamm dem Jüngling Halt gibt und ihn im Bildraum sprichwörtlich verwurzelt, verschwimmt der zum Teil überbelichtete Hintergrund einer Waldlichtung und unterstreicht damit die träumerische Atmosphäre der dargestellten Szene. Das Bild wirkt wie ein Schnappschuss, so wie wir ihn selbst schon zigfach ausgelöst haben: Einfach, ein wenig naiv und manchmal diffus. Doch das Auge des Betrachters bleibt an dieser flüchtigen Aufnahme hängen. Irgend etwas interessiert uns an "Paul" oder an "Michael", der junge Mann, der ohne Hose, uns den Rücken zukehrend, mit weit ausgebreiteten Armen auf einer Waldlichtung vor blühenden Gräsern steht. Unweigerlich möchte der Betrachter den Inhalt, die Narration, dieser Fotografien erforschen.

"Michael", ©Asbjörn Jungnik, 2013.

Mehr Sinnbild, als Portrait, erzählen die Bilder von der Jungend, von Unschuld, und von der Unbekümmertheit des Momentes. Der Künstler schreibt in einem Begleittext zu seiner Ausstellung: "Die Geschichte, die ich erzählen will, ist eine der ältesten der Welt. Sie handelt vom Knospen, vom Erblühen und von der Ahnung, des Verwelkens, des Verderbens, des Vergehens. Sie wurde endlos oft gemalt, gemeißelt und in Reime gefasst." 

Die Abbildungen zeigen meines Erachtens genau den Augenblick, der vor dieser Ahnung liegt. Es sind träumerische, meist in ein weiches Licht getauchte Momente, deren Vergänglichkeit noch in weiter Ferne zu liegen scheint. Doch es ist die, die Jünglinge umgebende Natur, die allgegenwärtig und bedrohlich ist: Sie trägt die Komposition und bildet in ihrer Rohheit gleichzeitig den Kontrast zu der glatten Oberfläche der nackten Haut. Der feste Baumstamm, an den sich Paul, wie oben beschrieben, anlehnt, unterstreicht die Lebenskraft. Doch die blühenden Gräser um ihn herum, sind bereits zum Verwelken verurteilt und somit Sinnbild des drohenden Verfalls der Jugend und der Schönheit.


"Paul", ©Asbjörn Jungnik, 2013.

Asbjörn Jungnik studiert erst seit etwa einem halben Jahr an der Akademie der bildenden Künste in München. Die Ästhetik des männlichen Körpers, so sagt er selbst, fasziniert ihn seit jeher. Vor seinem Studium arbeitete Jungnik als Krankenpfleger und war täglich mit dem Verfall des menschlichen Körpers konfrontiert. Doch seine Fotografien sind mehr als nur die Aufarbeitung der in einer Klinik gewonnenen Eindrücke. Sie sind Kritik an unserer Gesellschaft, an dem Jugendwahn, der Kurzlebigkeit und der Oberflächlichkeit unseres Zeitalters und so spiegeln seine Bilder dies wider.

"Jugendsünden" so der Titel der Ausstellung, sind Momente aus dem Leben des Künstlers. Längst passé, existieren sie heute nur noch in der Erinnerung. Doch der persönliche Bezug, die Verbundenheit, bleibt in der Fotografie dokumentarisch bestehen und überträgt sich auf den Betrachter. Jungnik vereint die klassisch-griechisch Tradition der Darstellung des jugendlich-athletischen männlichen Körpers mit der Direktheit und Intimität des wirklichen Lebens. Und obwohl die Bilder noch ein wenig roh und ungeschliffen wirken, zeigen sie die Frische und den Eifer eines jungen Fotografen, der sein Sujet und seinen Weg in eine fotografische Bilderwelt erforscht und sicherlich finden wird.

Die Ausstellung ist noch bis zum 28. Januar zu sehen.


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