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Ein Kunstblog für München







 

©Anne Imhof, Performance "Rage I", 2014, courtesy Galerie Deborah Schamoni.

Die Performance "Rage I", die erstmalig zur Eröffnung der Ausstellung von Anne Imhof in der Münchner Galerie Deborah Schamoni aufgeführt wurde, ist bereits weiter gezogen und wurde am 18. Juni auf der LISTE Art Fair Basel zum zweiten Mal gezeigt. Ein weiterer Termin ist geplant. Doch Anne Imhof auf ihre Performance zu reduzieren wäre sträflich. Die Ausstellung in der Mauerkircherstraße in München gibt einen wunderbaren Einlbick in die Arbeitsweise der Künstlerin abseits ihrer Performance: hier entstehen Werke, die einzelne Elemente des Schauspiels aufgreifen, weiterentwickeln und letztendlich verbildlichen. Diese Arbeiten sind noch bis zum 28. Juni 2014 in der Galerie Deborah Schamoni zu sehen.

© Anne Imhof, "Curtain for Rage I", 2014, courtesy Galerie Deborah Schamoni.

Um die vielfältigen Skulpturen, Installationen und Zeichnungen in einen Kontext bringen zu können, bedarf es ein wenig Wissen über die Performance selbst: In "Rage I" geht es um Sprache. Während frühere Performances der Künstlerin vollkommen wortlos über die Bühne gegangen sind, kommunizieren die Akteure - es sind 7 Darsteller - dieses Mal nicht nur durch Gestik, Blicke und Bewegung, sondern benutzen das gesprochene Wort, um dadurch gewisse, sich wiederholende und überlagernde Muster erkennbar zu machen, die sich auf den nicht-sichtbaren, sprachlichen Kern des Stückes beziehen. Im Pressetext heisst es "Rage deals with the relation between dominance and submission, slowness and passivity through structural motives in space. (...) Language constitutes a horizon. (...) It enfolds a net in-between the one who speaks and the one language is addressed to. (...)". 

Imhofs Performances sind tief und ernst. Es geht um Relationen und Beziehungen, wie diese darstellbar sind und wie sie sich entwickeln. Die Exponate der Ausstellung dokumentieren dies, führen den jeweiligen Gedanken fort und erweitern ihn auf verschiedensten Ebenen. Gesprochene Formeln, einfache Gedanken oder bestimmte Bewegungen aus der Performance tauchen nicht nur in Schriftform oder bildlich auf manchen Zeichnungen auf, sondern manifestieren sich ebenso in Skulpturen und Installationen. 

Installationview: "Horizion I, II & III" und "Seasaw I & II", courtesy Galerie Deborah Schamoni.

Eine sich wiederholende Phrase der Performance lautet zum Beispiel "lower the horizon" und ist als geritzte helle Linien in dem wunderbaren, ansonsten pechschwarzen Triptychon "Horizon I, II & III" wiederzufinden. Auch in  verschiedenen Zeichnungen der Künstlerin findet man "Horizon" mal als Wort, mal als Linie, Raster oder Buchstabenkürzel. Doch "Horizon" ist hier nicht im traditionellen Sinne die Grenzlinie zwischen sichtbarer Erde und Himmel. Es ist vielmehr zu verstehen als eine Linie, die zwei Dinge miteinander in Relation setzt. "Horizon" ist in Imhofs Arbeit meines Erachtens sowohl Grenz- als auch Verbindungslinie, die zwei Positionen in einen Zusammenhang setzt. So lässt sich vielleicht auch das Eingangs bereits erwähnte Zitat aus dem Pressetext besser verstehen: "Language constitutes a horizon. (...) It enfolds a net in-between the one who speaks and the one language is addressed to. (...)". Sprache bildet eine Verbindung oder einen Zusammenhang;  ein Netz zwischen Sprecher und Adressaten.

 

© Anne Imhof, "Tongue" 2014, cortesey Galerie Deborah Schamoni.

Und diese Raster und Verbindungen lassen sich auch anders, als nur sprachlich darstellen. So wie in einer weiteren Arbeit der Künstlerin: Eine Installation aus bemalten Holzplanken ("Seasaw I & II", 2014), jeweils auf einem Alabaster Block ruhend und zwei Achsen bildend. Die wie zwei Wippen angeordneten Planken, nehmen gewisse Bewegungen der Performer auf, die sich auf verschiedenen choreografierten Bahnen fortbewegen und eben jene Achsen erzeugen, die sich in der beschriebenen Installation manifestieren. Auch hier wird ein Bild aus der Performance aufgegriffen und mit einer vollkommen anderen künstlerischen Darstellungsform ausgedrückt. 

 


© Anne Imhof, "Y, Stream of Tought", 2014, cortesy Galerie Deborah Schamoni.

Die Exponate der Ausstellung sind weit mehr als nur stumme Zeugen der Performance. Anne Imhof untersucht die Darstellbarkeit von Bildern oder Gedanken und entwickelt dabei ihre eigene Sprache. Sie beweist mit ihrem Werk, dass eine Aussage auf verschiedenste Art und Weise formuliert werden kann und nutzt die Erkenntnis, dass der Mensch für jede Wahrnehmung -sei es ein Wort, eine Bewegung, oder ein Zeichen auf einem Blatt Papier- unwillkürlich eine Vorstellung kreiert, die sich als gedankliches Bild vor unserem Auge verfestigt. Die Performance ist nur eine neben vielen Ausdrucksarten, der sich die Künstlerin erfolgreich bedient und so ist die Ausstellung absolut sehenswert.

 


© Anne Imhof, "Contract" 2014, courtesy Galerie Deborah Schamoni.

Anne Imhof wurde 1978 in Gießen geboren und lebt und arbeitet in Frankfurt am Main. Sie ist Absolventin der Städelschule und wurde 2012 mit dem Absolventenpreis für eine herausragende Einzelleistung ausgezeichnet. 

 

©Anne Imhof, "Fountain" 2014, cortesey Galerie Deborah Schamoni.

©Anne Imhof, "Cobra-Toothbrush2, 2014, courtesy Galerie Deborah Schamoni.



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